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Bei den Grünen : Triumph und Bitterkeit

Künast und Trittin freuen sich über das „beste Ergebnis aller Zeiten” - und haben doch ihre Wahlziele verfehlt Bild: dpa

Die Grünen haben zwar „das beste Ergebnis aller Zeiten“ errungen, wie Spitzenkandídat Trittin apodiktisch formulierte. Doch ihre zentralen Wahlziele haben sie verfehlt: Schwarz-Gelb zu verhindern und selbst wieder dritte Kraft im Parteiengefüge zu werden.

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          Wie ein Entertainer bei der Ankündigung seiner Stars schreit Steffi Lemke die Namen von Renate Künast und Jürgen Trittin ins Mikrofon. Zuvor hat die Bundesgeschäftsführerin der Partei die Grünen-Anhänger, die sich zur Wahlparty im ehemaligen Postbahnhof im Berliner Osten eingefunden haben, mit den drei positiven Nachrichten des Abends aufs Jubeln eingestimmt: „Wir sind zweistellig! Wir sind drin in Brandenburg. Wir sind bei zwölf Prozent in Schleswig-Holstein.“ Die Inszenierung gelingt, die beiden Spitzenkandidaten können unter allgemeinem Jubel die Bühne erklimmen, um den Wahlkämpfern und einander für „diese wunderbare Zusammenarbeit“ zu danken.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die spontane Stimmung war anders, als um 18 Uhr die Prognosen im Fernsehen verkündet wurden. Das war zunächst eine staunende Freude über das schwache Abschneiden der Union und ein mitfühlendes Lufteinziehen bei der SPD, dann heftiges Buhen bei der FDP und bei der Linkspartei missmutiges Erkennen, dass man selbst auf dem letzten Platz der Aufzählung bleiben würde. Das Klatschen bei der Mitteilung, dass die Grünen immerhin auch auf ein zweistelliges Ergebnis zugelegt haben, war dann eher trotzig. Viele Arme blieben verschränkt oder hingen herab.

          „Wir es nicht geschafft, Schwarz-Gelb zu verhindern“

          Denn die Grünen haben zwar „das beste Ergebnis aller Zeiten“ errungen, wie Trittin apodiktisch formulierte. Doch ihre zentralen Wahlziele haben sie verfehlt: Eine Mehrheit von Union und FDP zu verhindern und selbst wieder dritte Kraft im Parteiengefüge zu werden. Diese unangenehmere Botschaft auszudrücken, überließen die beiden Spitzenkandidaten den Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir.

          Freude bei Roth und Özdemir - aber auch nüchterne Analyse

          Wohl deshalb wirkte die kurze Ansprache von Frau Roth, die doch so oft als gefühlsduselige Traumtänzerin verschrieen wird, um so vieles realistischer und treffender als die vorherige Jubelinszenierung. Natürlich wies auch sie auf den Zuwachs um 25 Prozent (nicht Prozentpunkte) hin, und den Erfolg, in Brandenburg in den Landtag eingezogen zu sein. Aber: „Trotz allem haben wir es nicht geschafft, Schwarz-Gelb zu verhindern - und das ist bitter.“ Ähnlich Özdemir, andere Vorsitzende, der nicht drumherumredete: „Wir sind die fünfte Partei.“ Dennoch wolle diese Grünen-Fraktion, so wies er in die Zukunft, „der Thinktank der Gesellschaft, des Landes“ werden.

          Die gemeinsame Botschaft aller führenden Grünen lautete: „Wir nehmen den Auftrag an.“ Den Auftrag zur Opposition gegen die sich abzeichnende schwarz-gelbe Regierung, sollte das wohl heißen. Im Fall von Frau Künast und Trittin dürfte das aber auch bedeuten, die Aufgabe, künftig die Bundestagsfraktion zu führen. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn müsste demnach in die zweite Reihe rücken. Was ein Hauptthema dieser Opposition sein soll, das war schon im Wahlkampf angeklungen und wurde nun von Trittin, die Faust geballt, so ausgedrückt: „Von heute an gibt es gegen die Schwarz-Gelben, gegen die Radioaktiven, eine knallharte Opposition.“

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