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Allensbach-Umfrage : Die unverdrossenen Nichtwähler

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wahlenthaltung ist weniger Ausdruck von Protest als von Desinteresse an Politik. Eine große Zahl von Bürgern meint, es sei nicht entscheidend, ob sie an der Wahl teilnehmen oder nicht. Die Beteiligung an der Bundestagswahl dürfte deshalb in diesem Jahr abermals sinken.

          Wenn Ereignisse oder Erscheinungen, deren Zusammenhang plausibel erscheint, gleichzeitig oder am gleichen Ort auftreten, neigen die meisten Menschen dazu, sie als Ursache und Wirkung aufzufassen. Doch manchmal führt das Einleuchtende auch in die Irre. Zumindest zum Teil trifft das auch auf den Zusammenhang zwischen Politikverdrossenheit und Wahlenthaltung zu.

          Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Begriff der „Parteienverdrossenheit“ aus der öffentlichen Diskussion kaum noch wegzudenken. Der Anteil derjenigen an der Bevölkerung, die sich in den Allensbacher Umfragen als enttäuscht von allen Parteien bezeichnen, ist seitdem starken Schwankungen unterworfen, stieg aber von Werten um die 30 Prozent in den 1980er Jahren auf bis zu 65 Prozent im August 2004. Gleichzeitig begann die auch zuvor schon schwankende Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen in der Tendenz stark abzunehmen. Auch bei Bundestagswahlen ging die Wahlbeteiligung zurück, allerdings langsamer. Da lag es nahe, diese Entwicklung als Folge der Parteienverdrossenheit zu interpretieren.

          Die meisten Nichtwähler interessieren sich wenig für Politik

          Für Prognosen der Wahlbeteiligung bei der kommenden Bundestagswahl im September ist es heute noch zu früh, aber es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass wir in diesem Jahr eine niedrige Wahlbeteiligung und gleichzeitig ein vergleichsweise niedriges Niveau der Politikverdrossenheit erleben werden. Wie passt das zusammen?

          Wahlenthaltung ist weniger Ausdruck von Protest als von Desinteresse an Politik

          Die Vorstellung, Wahlenthaltung sei gleichbedeutend mit Protest gegen die Parteien und das politische System, verstellt den Blick auf die eigentlichen Strukturen des Phänomens. Natürlich gibt es auch Bürger, die den Parteien mit ihrer Wahlenthaltung ganz bewusst einen Denkzettel verpassen wollen, doch dabei handelt es sich um eine kleine Minderheit. Die meisten Nichtwähler sind Menschen, die sich wenig für Politik interessieren und vergleichsweise wenig politische Kenntnisse haben. Oft handelt es sich um junge Leute, die - anders als ihre Eltern und Großeltern - nicht der Ansicht sind, Wählen sei eine Bürgerpflicht. Dies wird deutlich an den Ergebnissen der jüngsten Repräsentativumfrage des Allensbacher Instituts für diese Zeitung, für die in der Zeit vom 6. bis zum 17. Juli 2009 ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt von rund 1800 Personen befragt wurde.

          Dabei kann man auf einer allgemeinen Ebene, mit abstrakt formulierten Fragen, den Nichtwählern durchaus Antworten entlocken, die sich als Politikverdrossenheit deuten lassen. Beispielsweise mit einer Frage, bei der die Interviewer den Befragten eine Liste mit Aussagen über das Wählen vorlegen mit der Bitte anzugeben, welchen dieser Aussagen sie zustimmen würden. 62 Prozent derjenigen, die sagen, dass sie bei Bundestagswahlen nicht wählen gehen, aber nur 11 Prozent der Bevölkerung insgesamt stimmen der These zu: „Mir gefällt zurzeit keine Partei. Deshalb gehe ich nicht wählen.“ 59 Prozent der Nichtwähler gegenüber 13 Prozent der Gesamtbevölkerung meinen, es bringe nichts, wählen zu gehen. Bei der Aussage „Ich frage mich häufig, ob es Sinn macht, wählen zu gehen.

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