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Zweite Amtszeit für Horst Köhler : Eine Wahl ist überstanden, die nächste im Sinn

Eine Überraschung blieb aus, Gesine Schwan muss Horst Köhler ein zweites Mal gratulieren Bild: dpa

Köhler gegen Schwan: Nach Monaten eines Wettbewerbs, der keiner sein durfte, siegt der Amtsinhaber gegen eine hartnäckige Herausforderin. Auch weil ihm dies schon im ersten Wahlgang gelang, wenn auch denkbar knapp, sehen Union und FDP darin ein Signal für einen Erfolg von Schwarz-Gelb im Herbst.

          Um 14 Uhr 18 wissen alle, wer die Bundespräsidentenwahl gewonnen hat. Nicht Bundestagspräsident Norbert Lammert verkündet das. Unter dem Johlen und Klatschen der Wahlmänner und Wahlfrauen von Union und FDP betreten fünf junge Musiker mit Trompete, Posaune, Tuba und Hörnern den Plenarsaal des Bundestages und nehmen gegenüber der Versammlung Platz.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Durch das Erscheinen der Blechbläser wird klar, dass bald die Nationalhymne gesungen wird. Das bedeutet, der Bundespräsident ist im ersten Wahlgang gewählt worden. Und das kann nach Lage der Dinge nur Horst Köhler sein. Sollte es noch Zweifel daran geben, so werden sie zwei Minuten später zerstreut, als Saaldiener Blumensträuße zu den Fraktionsvorsitzenden bringen. Die Heiterkeit nimmt bei Schwarzen und Gelben zu.

          Ein denkbar knapper Sieg

          Um 14 Uhr 27 kehrt Eva Luise Köhler zurück auf die Tribüne des Plenarsaals, dieses Mal aber nicht mehr in Begleitung ihres Mannes wie noch zu Beginn der Versammlung. Und auch Norbert Lammert kommt zurück an sein Pult - und verkündet das Ergebnis, fast eine halbe Stunde später als geplant. Die Verspätung, so wird Lammert später sagen, liege am Abstimmungsverhalten der Delegierten; mehrfach wurde nachgezählt. Denn es ist ein denkbar knapper Sieg für den Amtsinhaber. 613 Stimmen sind auf ihn entfallen - eine weniger, und er hätte die absolute Mehrheit verfehlt.

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          Es ist eine Inszenierung, die das Land nur alle fünf Jahre gezeigt bekommt: Köhler betritt den Saal in dem Augenblick, als Lammert das Ergebnis verkündet hat, rauschender Beifall empfängt ihn, er dauert zwei Minuten. Köhler nickt, lächelt zaghaft, schaut Lammert an, der ja noch die Ergebnisse für die anderen Kandidaten verlesen muss. Nicht wirklich überraschend kommt die Zahl für Gesine Schwan. 503 Stimmen hat sie bekommen, das sind elf weniger, als SPD und Grüne Delegierte in der Bundesversammlung haben. Es gibt zehn Enthaltungen. Aus dem rot-grünen Lager? Gut möglich. Einen kleinen Sieg kann Peter Sodann für sich in Anspruch nehmen. Den Kandidaten der „Linken“ haben 91 Delegierte gewählt, das sind zwei Stimmen mehr, als die Dunkelroten Stimmen in der Versammlung haben.

          „Ich werde weiter mein Bestes geben“

          Gegen Ende von Köhlers kurzen Ansprache kommt eine Liebeserklärung. „Dir, Eva, möchte ich danke sagen. Jede Stunde ist ein Geschenk mit dir“, verneigt der wiedergewählte Präsident sich vor seiner Frau. Die strahlt. Es ist nicht die einzige persönliche Note, die Köhler der Ansprache gibt. „Je älter ich werde, desto neugieriger werde ich“, sagt er. Und: „Ich werde weiter mein Bestes geben.“

          Wie schon so oft in den Monaten zuvor spricht da ein Bundespräsident, der allen Deutschen gefallen will, nicht nur denjenigen aus dem Lager von Union und Liberalen, die ihn zur Wiederwahl vorgeschlagen haben, sondern auch Sozialdemokraten, Linken und Grünen.

          Pünktlich um 12 Uhr hatte alles angefangen, mit dem Auftritt von Lammert. Scherzt er sonst gern von dieser Stelle aus, so hält er sich diesmal zurück. Vielleicht ist ihm der Auftritt seines Vorgängers Wolfgang Thierse am selben Ort vor fünf Jahren eine Mahnung. Der hatte sich mehrmals verhaspelt und war damit zur Zielscheibe des Spotts geworden. Einen kleinen Lacher erntet Lammert aber doch: Als er geduldig das Prozedere der Abstimmung erklärt und vom blauen Wahlausweis spricht, „den Sie hoffentlich alle dabei haben“, da beginnen geschätzte 1223 Delegierte in ihren Taschen zu kramen, so laut und deutlich, dass Lammert dem Geschehen Einhalt gebieten muss.

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