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Bundespräsidentenwahl : „Das hätte das politische Feld aufgerollt“

Joseph Fischer war für das höchste Amt des Staates im Gespräch Bild: AP

Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollte Joschka Fischer als Bundespräsidenten, der damalige SPD-Chef Kurt Beck wollte Horst Köhler. Es kam Gesine Schwan. Nun wackeln Stimmen bei SPD und Grünen.

          Es ist eine rauschende Feier, und alle sind gekommen, auch der Bundeskanzler. Franz Müntefering überreicht Blumen. Die SPD feiert sich selbst, sie feiert ihre Kandidatin, die feiert ihren Geburtstag und ihre Verlobung gleich mit. Es ist der 22. Mai 2004, die große Fete steigt im „Hamburger Bahnhof“, einem Berliner Kunstmuseum. Am nächsten Tag tritt Gesine Schwan als Kandidatin von Rot-Grün gegen Horst Köhler an, um Bundespräsidentin zu werden. Das Ergebnis ist klar, aber knapper als erwartet. Sie verliert mit 589 zu 604 Stimmen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Fünf Jahre später ist alles wieder genauso. Die Kandidatin heißt wieder Gesine Schwan, der Gegner wieder Horst Köhler, und das Fest der Wahlfrauen und Wahlmänner der SPD am Vorabend der Wahl findet wieder im Hamburger Bahnhof statt, wieder am 22. Mai, und demzufolge ist es wieder der Geburtstag der Kandidatin - sie wird nun 66 Jahre alt. Schwan ist bekennende Katholikin, sie ist nicht abergläubig, sonst würde sie die Wiederholung der Ereignisse wohl als schlechtes Omen sehen.

          Köhler steht schlechter da

          Dabei steht die Kandidatin Schwan, mathematisch betrachtet, heute sogar besser da als damals. Oder richtiger: Köhler steht schlechter da. Im Jahr 2004 verfügten Union und FDP als die Unterstützer Köhlers nämlich über einen komfortablen Vorsprung vor dem politischen Gegner. Es waren zwanzig Stimmen „über den Durst“, also oberhalb der absoluten Mehrheit, die damals bei 603 Stimmen lag. Tatsächlich wurde Köhler schon im ersten Durchgang zum Präsidenten gewählt - aber mit nur einer Stimme Mehrheit. Mindestens 18 Delegierte aus den Reihen von Union und FDP hatten ihn mithin nicht gewählt.

          Praktisch chancenlos: Gesine Schwan

          Fünf Jahre nach Köhlers erster Wahl verfügen Union und FDP zusammen nicht einmal mehr über die absolute Mehrheit. Die liegt dieses Mal wegen einer etwas größeren Bundesversammlung bei 613 Stimmen. Schwarze und Gelbe bringen es zusammen nur auf 604 und sind auf mindestens neun der zehn Stimmen angewiesen, die die Freien Wähler aus Bayern mitbringen. Kurzum: Wenn nur zwei Wahlmänner oder -frauen aus diesem Lager nicht für Köhler stimmen und sich keine helfende Hand des politischen Gegners findet, wird nichts aus einer Wiederwahl im ersten Durchgang. Darauf können die Optimisten aus dem Schwan-Lager hoffen.

          Die Optimisten aus dem Köhler-Lager haben in diesen Tagen eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Köhlers Nominierung vor fünf Jahren habe damals für Verletzungen im schwarz-gelben Lager gesorgt. Zudem sei mancher skeptisch gegenüber dem politisch kaum beschriebenen Blatt aus der kalten Finanzwelt gewesen. Im Gegensatz zu ihm habe die quirlige Hochschulprofessorin aus Frankfurt an der Oder zumindest einen schnellen Sympathiebonus einsammeln können. Und einen Frauenbonus. Denn die höchsten Ämter im Staat waren damals noch ausschließlich in Männerhand.

          Alles anders?

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