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Allensbach-Umfrage : Die angesehene Verfassung

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Bild: F.A.Z.

Von „Verfassungspatriotismus“ kann nur bedingt die Rede sein: Die Deutschen zeigen großen Respekt vor dem Grundgesetz - und wissen doch nicht allzu viel über seine Einzelheiten. Diese Achtung wird auch dem Bundespräsidenten zuteil.

          Wenn in diesen Tagen die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes begangen werden, wird in der öffentlichen Würdigung wieder ein Wort auftauchen, das es wahrscheinlich nur in der deutschen Sprache gibt: „Verfassungspatriotismus“.

          Obwohl die Bedeutung unscharf ist, lässt sich doch leicht verstehen, dass er sich in das Selbstverständnis der alten Bundesrepublik vor der deutschen Einheit gut einfügte. Ursprünglich von dem Politikwissenschaftler Dolf Sternberger verwendet, später von anderen wie etwa Jürgen Habermas aufgegriffen, steht die Idee des „Verfassungspatriotismus“ für die Verbundenheit mit der demokratischen Rechtsordnung, eine Art „aufgeklärte Identifikation“ mit dem freiheitlichen Staat in deutlicher Abgrenzung zu einer gefühlvollen, vom politischen System unabhängigen Vaterlandsliebe.

          „Wissen Sie, wann das Grundgesetz in Kraft getreten ist?“

          Doch wahrscheinlich führt dieses sehr stark von durchdachten Wertvorstellungen geprägte Konzept in die Irre. Die Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigen jedenfalls, dass sich die Zustimmung zur Verfassung in den letzten Jahrzehnten gleichermaßen und mit vergleichbarer Geschwindigkeit positiv entwickelt hat wie das emotional geprägte Bekenntnis zur eigenen Nation und zu ihren Symbolen. Beides ist nicht voneinander zu trennen.

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          Vor allem aber würde ein gesonderter „Verfassungspatriotismus“ voraussetzen, dass die Bevölkerung eine klare Vorstellung von den Inhalten und Prinzipien und damit auch den Besonderheiten des Grundgesetzes gegenüber anderen Verfassungen hat. Die jüngste Repräsentativumfrage des Allensbacher Instituts im Auftrag dieser Zeitung zeigt aber deutlich, dass ein solches Bewusstsein nur bei einem kleinen Teil der Bevölkerung vorhanden ist. Bereits die Frage „Wissen Sie zufällig, wann das Grundgesetz in Kraft getreten ist, in welchem Jahr?“ kann trotz der eingehenden Berichterstattung in den letzten Wochen nur etwas mehr als ein Drittel der Deutschen treffend beantworten: 37 Prozent nennen die richtige Jahreszahl 1949, 6 Prozent ein Datum zwischen 1940 und 1948, 5 Prozent eines zwischen 1950 und 1969. Eine Mehrheit von 52 Prozent gibt zu, dass sie die Antwort nicht weiß.

          Dem Alltagsleben zu fern

          Auch die Verfassung selbst bleibt für viele vage. Auf die Frage „Wie ist das eigentlich bei uns im Grundgesetz geregelt, haben wir eine repräsentative Demokratie oder eine direkte Demokratie?“ antworten 40 Prozent: „Eine repräsentative Demokratie“, 19 Prozent glauben, Deutschland sei eine direkte Demokratie, 41 Prozent antworten: „Weiß nicht“. Auf die Aufforderung, den ersten Satz des ersten Artikels des Grundgesetzes zu nennen oder anzugeben, welches Grundrecht in diesem Artikel festgehalten ist, können 25 Prozent der Deutschen den Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ vollständig zitieren, weitere 14 Prozent geben den Satz unvollständig wieder oder machen vage, zumindest nicht falsche Angaben. 17 Prozent geben falsche Antworten, eine knappe Mehrheit von 47 Prozent zieht sich auf die Antwort „Weiß nicht“ zurück.

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