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Allensbach-Umfrage : Die angesehene Verfassung

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Man würde der Lage nicht gerecht werden, wenn man diese Antworten allein als Ausdruck mangelnder politischer Bildung beklagte. Denn sie ähneln in mancherlei Hinsicht den Antworten der Deutschen auf Fragen, die die europäische Einigung betreffen: Daran, dass die Sache zu begrüßen ist, besteht für die meisten kein ernsthafter Zweifel. Doch die tatsächliche Ausgestaltung ist zu abstrakt, dem Alltagsleben der meisten Menschen zu fern, als dass sie ernsthaftes Interesse hervorrufen könnte.

Sonderstellung im Ansehen der Bevölkerung

So kommt nur eine Minderheit auf den Gedanken, das Grundgesetz einmal in die Hand zu nehmen: 49 Prozent haben schon einmal etwas im Grundgesetz nachgesehen oder darin gelesen, mehr als ein Drittel davon allerdings nur in der Schulzeit. Dementsprechend findet sich das Grundgesetz auch nur in wenigen deutschen Bücherregalen: 81 Prozent der Deutschen verfügen über einen Duden oder ein anderes Rechtschreibwörterbuch, 77 Prozent haben einen Atlas im Haus, 67 Prozent ein deutsch-englisches Wörterbuch, 58 Prozent eine Bibel. Aber lediglich 30 Prozent besitzen eine Ausgabe des Grundgesetzes.

Das ändert nichts daran, dass die Bevölkerung dem Grundgesetz ein außerordentlich großes Vertrauen entgegenbringt. Dies zeigt sich an den Antworten auf eine Frage, bei der den Befragten eine Liste verschiedener Institutionen zur Auswahl vorgelegt wurde mit der Bitte anzugeben, zu welcher sie „sehr viel“, „ziemlich viel“, „wenig“ oder „überhaupt kein Vertrauen“ haben. 72 Prozent sagten daraufhin, sie hätten „sehr viel“ oder „ziemlich viel“ Vertrauen in das Grundgesetz. Lediglich die Polizei erzielt mit 76 Prozent noch einen etwas besseren Wert. Das Grundgesetz nimmt damit im Ansehen der Bevölkerung eine Sonderstellung ein. „Sehr viel“ oder „ziemlich viel“ Vertrauen in den Bundespräsidenten bekunden 60 Prozent der Deutschen, von der Bundesregierung sagen 40 Prozent das Gleiche. Bundestag und Bundesrat kommen auf 33 beziehungsweise 32, die Parteien lediglich auf 12 Prozent. Nur das Bundesverfassungsgericht genießt mit 67 Prozent ein vergleichbar großes Vertrauen in der Bevölkerung wie das Grundgesetz.

Grundsätze der Verfassung verinnerlicht

Letzteres ist wahrscheinlich kein Zufall. Sowenig sich die meisten Deutschen auch mit den Einzelheiten des Grundgesetzes befassen, so sehr scheinen sie doch einige Grundsätze der Verfassung verinnerlicht zu haben. Zwar teilt die Mehrheit nicht die Ansicht, dass die Freiheit der Bürger in den letzten Jahren durch Gesetze, etwa zur Terrorbekämpfung, zu sehr eingeschränkt worden sei, doch die korrigierende Funktion, die das Bundesverfassungsgericht bei der Gesetzgebung zur inneren Sicherheit zuletzt eingenommen hat, wird von einer deutlichen Mehrheit begrüßt. Dies zeigen die Antworten auf eine Frage, bei denen zwei Argumente zur Auswahl vorgelegt wurden.

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