https://www.faz.net/-gpf-6va7p

Wahlen in Kongo : Tausende Kandidaten für ein Millionengeschäft

  • -Aktualisiert am

Die Wahlen im Kongo werden von Aufrufen zur Gewalt begleitet. Das Bild zeigt ein demoliertes Wahlplakat des amtierenden Präsidenten Joseph Kabila. Bild: dpa

Präsident Kabila hat viel unternommen, damit er Präsident von Kongo bleiben kann. Er ließ die Verfassung ändern, behinderte die Opposition und kaufte sich loyale Helfer. Die Gegner rufen zur Gewalt auf. Oder sie lassen Zähne ziehen.

          La Chine populaire“ macht ihrem Namen alle Ehre. Nirgends sonst in Kinshasa ballen sich so viele Menschen auf so wenig Raum, wie in dem Stadtteil, der das bevölkerungsreichste Land der Erde deshalb im Namen führt. Nirgends sonst in der kongolesischen Hauptstadt sind zugleich die Straßen schmutziger, das Gedränge dichter und das Geschrei der fliegenden Händler lauter.

          Und nirgendwo sonst in der Großstadt am Fluss leben so viele Wahlberechtigte, weshalb der Stadtteil unter einer Art Sonnensegel zu verschwinden scheint: Tausende Werbebanderolen flattern im Wind, auf denen ebenso viele Parlamentskandidaten um Stimmen werben.

          Weil das noch nicht reicht, verfallen einige Kandidaten auf ungewöhnliche Ideen, um auf sich aufmerksam zu machen. So rumpeln bunt beklebte Pritschenwagen durch die schlammigen Straßen, auf denen sich leicht bekleidete junge Damen zu irrsinnig lauter Musik verrenken. Ein Bewerber lässt sogar kostenlos faule Zähne ziehen, um Wähler von sich zu überzeugen - unter freiem Himmel, versteht sich.

          Es ist Wahlzeit in Kongo, und das ist angesichts der Geschichte des Landes an sich schon bemerkenswert. Wenn alles gut geht, wählt Kongo-Kinshasa am 28. November einen neuen Präsidenten, einen neuen Senat und ein neues Abgeordnetenhaus. Es sind nach 2006 erst die zweiten demokratischen Wahlen seit der Unabhängigkeit des Landes von Belgien im Jahr 1960. Es gibt inzwischen rund 500 zugelassene Parteien, auch wenn viele nur Ein-Mann-Betriebe sind.

          Man kann sehr reich werden in der kongolesischen Politik

          Um die 500 Sitze im Parlament konkurrieren 19000 Kandidaten. In einigen Wahlbezirken von Kinshasa stellen sich 1500 Bewerber für fünf Parlamentssitze zur Wahl. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass man sehr schnell sehr reich werden kann in der kongolesischen Politik. Um das Amt von Präsident Joseph Kabila bewerben sich immerhin zehn weitere Kongolesen - aber dem Amtsinhaber werden die besten Siegchancen zugebilligt.

          Die Wahlzettel sind wegen der vielen Kandidaten eher Bücher und mussten auf 62000 Wahlbüros in einem Land verteilt werden, das zwar so groß wie Westeuropa ist, aber nur über wenige Straßen verfügt. In 48 Frachtflugzeugen kommen die rund 180000 Urnen aus China ins Land. Die UN-Unterstützungsmission in Kongo (Monusco) organisiert den Weitertransport ins Landesinnere und hat dafür 30 zusätzliche Hubschrauber erhalten.

          Präsident Joseph Kabila ist Favorit bei den anstehenden Wahlen.

          Dennoch ist knapp eine Woche vor der Wahl nicht sicher, ob alles bis zum Wahltermin am nächsten Montag klappt. 350 Millionen Dollar wird die Sache laut der „Unabhängigen kongolesischen Wahlkommission“ (Céni) kosten, und im Gegensatz zu 2006 bringt nicht die internationale Gemeinschaft die Summe auf, sondern die kongolesische Regierung den größten Teil. Gegen eine Wahlverschiebung wehrt sich Präsident Kabila. Er glaubt, der Zeitpunkt für einen haushohen Sieg sei nie besser gewesen als jetzt.

          Doch wer sich dieser Tage umhört in Kinshasa, der Metropole am Fluss, wird kaum eine Antwort auf die Frage erhalten, ob Kabila wirklich der Favorit sei. Allerorten wird die Stärke der „Union für die Demokratie und den sozialen Fortschritt“ (UDPS) von Etienne Tshisekedi heraufbeschworen. 2006 hatte der die Wahl boykottiert, weil ihm das Procedere nicht gefiel.

          Weitere Themen

          Frankreich ratifiziert Freihandelsabkommen Video-Seite öffnen

          EU mit Kanada : Frankreich ratifiziert Freihandelsabkommen

          Das Abstimmungsergebnis fiel am Dienstag aber, mit 266 Stimmen dafür und 213 dagegen, knapper aus, als gedacht. Die deutsche Wirtschaft würdigte das Votum als wichtigen Meilenstein.

          Eine gute und eine schlechte Nachricht

          F.A.Z.-Sprinter : Eine gute und eine schlechte Nachricht

          In der Ukraine setzt sich die Partei des neuen Präsidenten Selenskyj klar durch – doch der Erfolg hat einen Haken. Währenddessen steigt in Deutschland eine bestimmte Last immer weiter an. Alles, was wichtig ist, im F.A.Z.-Sprinter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.