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Wahlen in Amerika : Wie wird der mächtigste Mann der Welt gewählt?

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Das amerikanische Wahlsystem ist die älteste existierende Form der demokratischen Auswahl von Führungspersonal. Und eine komplizierte dazu. Mit dem Kreuz auf dem Stimmzettel ist es längst nicht getan.

          Wahrscheinlich ist es nicht, möglich aber doch: Wer am Dienstag bei den US-Präsidentschaftswahlen die meisten Stimmen bekommt, könnte im Rennen ums Weiße Haus dennoch den Kürzeren ziehen. Das US-Wahlsystem kürt den Sieger nicht nach Prozentanteilen, sondern nach Wahlmännerstimmen.


          Im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl haben die kleineren US-Bundesstaaten im Wahlmännerkollegium (Electoral College) ein überproportional hohes Gewicht. Für den Einzug ins Weiße Haus sind 270 von 538 Wahlmännerstimmen erforderlich. Wer in einem Einzelstaat die meisten abgegebenen Stimmen bekommt, sichert sich in der Regel automatisch die Loyalität aller Elektoren dieses Bundesstaates. Die Abstimmung der Wahlmänner am 18. Dezember ist dann nur noch eine Formalität.

          Mehr als die Mehrheit der Stimmen...

          In der Geschichte der USA kam es bisher dreimal vor, dass ein Kandidat ins Weiße Haus einzog, der die Wahl nach abgegebenen Stimmen nicht gewonnen hatte. 1888 schlug der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland seinen republikanischen Herausforderer Benjamin Harrison zwar mit 48,6 zu 47,8 Prozent. Doch Harrison konnte sich 233 Wahlmänner sichern, Cleveland nur 168. 1876 schlug Rutherford Hayes den Demokraten Samuel Tilden um Haaresbreite mit 185 zu 184 Wahlmännerstimmen. Nach Prozenten siegte Tilden mit 51 zu 48. 1824 bekam Andrew Jackson zwar in einem Feld von vier Bewerbern sowohl nach Prozent als auch nach Wahlmännern die meisten Stimmen. Doch weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit im Wahlmännerkollegium erringen konnte, kürte das US-Repräsentantenhaus den eigentlichen Verlierer John Quincy Adams zum Präsidenten. Auch diesmal wird der nächste Bewohner des Weißen Hauses im Fall eines Unentschiedens vom US-Repräsentantenhaus bestimmt. Vorgekommen ist dies im 20. Jahrhundert kein einziges Mal.

          Warum immer dienstags gewählt wird...

          Seit 1845 wählen die USA ihre Präsidenten am Dienstag nach dem ersten Montag im November - eine Regelung, die in erster Linie den Bauern und Buchhaltern verdanken ist. Sie stammt aus einer Ära, als das Land noch dünn besiedelt und weitgehend von der Landwirtschaft geprägt war. Im November war die Ernte schon vorbei, das Wetter jedoch noch mild genug, um die Reise zum Wahllokal zu ermöglichen. Der US-Kongress wollte außerdem vermeiden, dass der Urnengang auf den 1. November fiel: Am Ersten des Monats machten traditionell die Buchhalter ihre Abrechnungen. Die Abgeordneten fürchteten, eine gute oder schlechte Bilanz könne die Wahl beeinflussen. Auf den Dienstag einigten sich die Abgeordneten im Ausschlussverfahren. Der Sonntag sollte für den Kirchgang reserviert bleiben. Der Montag fiel aus, weil sich Wähler mit einer langen Anreise schon am Sonntag auf den Weg zu den Urnen hätten machen müssen. Am Donnerstag wählten die Briten, von denen sich die amerikanischen Kolonien gerade emanzipiert hatten.

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