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Wahlen in Amerika : Das engste Rennen seit 40 Jahren

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Lange Zeit war der Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten von Langeweile geprägt. Die Kandidaten Gore und Bush blieben farblos und inhaltlich waren die Unterschiede marginal. Allein die Umfragewerte machen das Rennen spannend.

          Das diesjährige Rennen ums Weiße Haus könnte so knapp werden wie seit 40 Jahren nicht mehr. 1960 schlug der Demokrat John F. Kennedy den republikanischen Vizepräsidenten Richard Nixon um weniger als 120.000 von 69 Millionen abgegebenen Stimmen. Hätten sich rund 12.000 Wähler in einer Handvoll Bundesstaaten anders entschieden, dann wäre Nixon Präsident geworden.

          Umfragen deuten darauf hin, dass der Wettstreit zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem demokratischen Vizepräsidenten Al Gore diesmal ähnlich eng werden könnte. 1880 siegte der Republikaner James Garfield über den Demokraten Winfield Hancock mit 48,27 zu 48,25 Prozent - ein Abstand von nur 17.000 von 8,9 Millionen abgegebenen Stimmen. Als Kennedy gegen Nixon antrat, war er gerade 43 Jahre alt. Mit seinem jugendlichen Charme und seiner Fernsehtauglichkeit ließ er seinen erfahreneren Gegner miesepetrig und verbraucht aussehen.

          Große Präsidenten mit knappen Mehrheiten

          Sein Vizekandidat Lyndon Johnson führte ihm die Südstaaten zu, die der katholische Senator aus Massachusetts nicht aus eigener Kraft gewinnen konnte. Zum Sieg der Demokraten sollen aber auch Stimmenkauf und Mafia-Methoden beigetragen haben. Die Wahlbeteiligung lag bei 63 Prozent, weit höher als bei allen seither abgehaltenen US-Präsidentschaftswahlen. Kennedy errang 303 Wahlmännerstimmen, Nixon nur 219. Das nach Wahlmännern knappste Rennen der jüngeren US-Geschichte geht auf 1916 zurück. Damals schlug Amtsinhaber Woodrow Wilson seinen Herausforderer Charles Evans Hughes mit 277 zu 254 Elektoren.

          1976 vertrieb der Demokrat Jimmy Carter den Republikaner Gerald Ford mit 297 zu 240 Wahlmännerstimmen aus dem Weißen Haus. 1992 besiegte Bill Clinton den Republikaner George Bush mit 42,95 zu 37,4 Prozent und 370 zu 168 Elektorenstimmen. 1996 gewann Clinton gegen Bob Dole mit 49,2 zu 40,7 Prozent und 379 zu 159 Wahlmännern. 1948 sagten die Umfragen voraus, der demokratische Präsident Harry Truman werde dem Republikaner Thomas Dewey unterliegen. Die "Chicago Tribune" ging soweit, am Morgen nach der Wahl auf der Titelseite den Sieg Deweys zu verkünden. In Wirklichkeit hatte Truman gewonnen: Er schlug den Republikaner damals mit 49,5 zu 45,1 Prozent.



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