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Wahlabend in Erfurt : Linke feiert historischen Sieg, CDU deklassiert und ratlos

Der neue Held der der Linken: Wahlsieger Bodo Ramelow lässt sich auf der Wahlparty seiner Partei in Erfurt feiern. Bild: dpa

Die Linke kann dank Bodo Ramelow jubeln wie nie und feiert frühere Niederlagen weg. Die CDU erlebt eine historische Niederlage – und klare Mehrheiten scheinen in Thüringen auch wegen des AfD-Erfolgs aussichtslos.

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          Auf der Wahlparty der Linken im Erfurter Zughafen wird es um 18 Uhr dreifach emotional. Ein lautes „Ooohhh!“ ist in der alten Industriehalle zu hören, als auf der Großbildwand die Prognose nur 22,5 Prozent für die CDU zeigt. Unbändiger Jubel brandet auf, als für die Linke 29,5 Prozent da stehen. Und ein entschiedenes „Buhhhh!“ schallt durch den Raum, als der Balken für die AfD erst bei 24 Prozent stehen bleibt. Fest steht: Die Linke hat in Thüringen einen historischen Wahlsieg errungen. Erstmals ist sie Siegerin bei einer Landtagswahl, und das Ergebnis im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren hat sie auch noch leicht gesteigert. „Bodo Ramelow wird Ministerpräsident bleiben!“, ruft die Thüringer Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow von der Bühne. „Was wir erreicht haben, ist grandios!“ Und der Jubel nimmt noch einmal zu, als sie die – zu diesem Zeitpunkt – sieben Prozentpunkte Abstand zur CDU erwähnt.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          „Riesenkompliment an Euch!“, ruft auch die Bundesvorsitzende Katja Kipping. „Dieser Sieg gibt uns Schwung für die ganze Partei.“ In der Tat war es für die Linke ein Jahr vieler Niederlagen. Bei der Europawahl sowie bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen fuhr die Partei herbe Verluste ein, der Sieg in Erfurt ist da neben Bremen, wo die Partei seit Neuestem mitregiert, ein Lichtblick. Und Kipping erinnert auch gleich daran, wem dieser Erfolg vor allem zu verdanken ist: Bodo Ramelow.

          Der Spitzenkandidat und Ministerpräsident tritt um halb neun vor seine Anhänger, sie haben ein Spalier gebildet für ihren Wahlsieger und begrüßen ihn mit frenetischem Applaus. „Gewinnen fetzt, oder?“ Parteivorsitzende Hennig-Wellsow steht mit auf der Bühne, sie stellte Ramelow die erste Frage. Der sagt: „Wir rocken, und das weiterhin!“ Zwar sei für ihn noch nicht ganz klar, wie der Abend ausgehen werde. „Aber dass ich den Regierungsauftrag habe, das ist doch unbestritten!“ Für diesen Satz erntet Ramelow den stärksten Applaus dieses Abends. Er war der erste linke Ministerpräsident in Deutschland, und er will es bleiben, daran lässt er keinen Zweifel.

          Bei der CDU fällt die Wahlparty aus

          Trotz des Wahlsiegs hat die Linke ihr erklärtes Ziel, die rot-rot-grüne Koalition fortzusetzen, erst einmal nicht erreicht. Die Verluste der SPD und das überraschend schwache Abschneiden der Grünen machen eine abermalige Mehrheit für Rot-Rot-Grün äußerst unwahrscheinlich. Dass es Ramelow gelingen könnte, auch trotz fehlender Mehrheit in der Erfurter Staatskanzlei zu bleiben, hat auch mit einer Besonderheit der Thüringer Verfassung zu tun. Sie kennt keine Frist, bis zu der nach einer Landtagswahl ein neuer Regierungschef gewählt werden muss. Die Partei hat also Zeit, mit allen möglichen Partnern zu sondieren, und ins Spiel könnte dabei auch der große Wahlverlierer des Abends kommen: Die CDU.

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