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Landtagswahl in Thüringen : Wie die CDU zerrieben wurde

Bleibt die Frage, ob die CDU ihre Haltung zur Linkspartei noch einmal überdenkt. Die Wählerschaft der CDU in Thüringen scheint die Frage deutlich pragmatischer anzugehen als die Parteiführung. Laut Infratest Dimap halten 60 Prozent der CDU-Wähler Ramelow für einen guten Ministerpräsidenten. Nur 28 Prozent von ihnen lehnen ein Bündnis mit der Linkspartei ab, 68 Prozent sprechen sich dafür aus, die Entscheidung zu überdenken, mit der Linken kein Bündnis einzugehen. In der thüringischen Bevölkerung ist die Stimmung ähnlich.

Lange Hängepartie zu erwarten

Für die CDU als Partei berührt die Entscheidung über ein Bündnis mit der Linken aber den Kern tiefer Überzeugungen. Als der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther in einer Art Gedankenspiel vor ein paar Monaten einbrachte, die CDU könne mit der Linken im Osten regieren, gab es einen Sturm der Entrüstung. Was die SPD 2008 in Hessen fast zerriss, weil diese Wortbruch beging und doch mit der Linkspartei ein Bündnis schloss, könnte in Thüringen ähnliche Konsequenzen haben. Weil das auch Mike Mohring bewusst sein dürfte, deutet vieles auf eine lange Hängepartie hin. Denn auch eine Minderheitsregierung hat unter den Wählern wenig Anhänger. Auch wenn das Bündnis zwischen Linke und CDU die einzige Machtoption ist, dürfte sie erst nach großem Hin und Her in den Bereich des Denkbaren rücken.

Dabei wird die CDU auch an die nächste Wahl denken. Ob sie sich an der Seite der Linken besser profilieren und so bald wieder zur Regierungspartei werden könnte? Die AfD schien sich am Wahlabend schon die Hände zu reiben. Ramelow werde „gar nichts übrig bleiben, als mit der CDU zusammenzugehen“, sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen. Die CDU riskiere in einer solchen Konstellation allerdings „den letzten Rest an konservativer Wahrnehmung”. Den Erfolg der AfD erklärte Meuthen damit, dass ein linker Ministerpräsident eine „Steilvorlage“ für seine Partei gewesen sei.

Die AfD ist der zweite große Wahlsieger. Ihr ist es gelungen, ihr Ergebnis mehr als zu verdoppeln und zweitstärkste Kraft im Landtag von Thüringen zu werden. Das ist bemerkenswert, weil die Zustimmungswerte von Spitzenkandidat Björn Höcke (14 Prozent) weit hinter denen der Partei liegen. Zwar finden 77 Prozent der AfD-Wähler gut, dass Höcke kein Blatt vor den Mund nehme, allerdings hält ihn fast die Hälfte nicht für den richtigen Spitzenkandidaten und 44 Prozent meinen sogar, dass er zu nah an rechtsextremen Positionen sei. Es scheint also durchaus ein Problembewusstsein zu geben. Die Wähler stimmten in Teilen trotz Höcke für die AfD.

Wo die AfD profitiert hat 

Für AfD-Wähler ist neben Löhnen und Rente (20 Prozent) sowie Kriminalität und innere Sicherheit (17 Prozent) vor allen Dingen Zuwanderung mit 34 Prozent als Thema entscheidend. Obwohl es aktuell keine größeren Migrationsbewegungen gibt und das Thema derzeit nicht heiß diskutiert wird, bewegt es AfD-Wähler doch am stärksten. Laut Infratest Dimap stimmte jeder Zweite aus Enttäuschung über andere Parteien für die AfD.

Die Wählerschaft der AfD in Thüringen ist ähnlich wie bei vorherigen Landtagswahlen aufgestellt: Es sind eher männliche Wähler, sie sind zwischen 35 und 60, stammen eher aus dem ländlichen Raum, sind eher geringer gebildet. Und in Landkreisen, die schrumpfen, ist diese Wählerschaft eher stärker. Trotzdem gibt es nicht den typischen Nicht-AfD-Wähler. Auch in Großstädten kommt die AfD auf mehr als 20 Prozent, auch in der Gruppe der Frauen erreicht sie 18 Prozent, auch unter jenen mit Abitur 22 Prozent. Die AfD ist fast überall angekommen.

Neben den 36.000 Stimmen, die die AfD von der CDU gewonnen hat, sind 77.000 ehemalige Nichtwähler. Die AfD dürfte also der größte Profiteur der deutlich höheren Wahlbeteiligung sein, die auf mehr als 65 Prozent gestiegen ist.

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