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Diskussion im Fernsehen : Duell und Vierkampf vor Thüringer Landtagswahl

Das Wahlkampfduell vor der Thüringer Landtagswahl im MDR: Der Amtsinhaber Bodo Ramelow (l.) von der Linken und Mike Mohring, Landes- und Fraktionschef der CDU Bild: dpa

Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen präsentieren sich die Spitzenkandidaten. Das zu Beginn gezeigte Duell zwischen Amtsinhaber Ramelow und CDU-Spitzenkandidat Mohring wäre kurz vor Ausstrahlung fast geplatzt.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Die gute Nachricht gleich am Anfang: Dieses Duell fand wirklich statt. Noch am Donnerstagnachmittag hatte die Thüringer CDU Panik verbreitet: „Absage in letzter Minute: Ramelow lässt lange ausgehandeltes TV-Duell mit CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring platzen“, titelte die Partei in einer Eilmeldung, in der sie dem Ministerpräsidenten der Linken vorwarf, zu kneifen und „die Auseinandersetzung mit der politischen Mitte“ zu verweigern.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Verwirrung war zunächst groß, weil die Thüringer Linke von dem Vorgang keine Kenntnis hatte und an die von ihr geführte Staatskanzlei in Erfurt verwies. Dort erklärte man, dass Ramelow als Ministerpräsident zur Zeit des vereinbarten Duells im Bundesrat sprechen und die Interessen aller Thüringer wahrnehmen werde, weshalb Parteipolitik hintenan stehe. Durchs Rost fiel deshalb ein zeitgleich geplantes Interview beider Spitzenkandidaten bei n-tv in Berlin, aber nicht, wie zunächst gemutmaßt wurde, in Erfurt beim MDR, wo Ramelow und Mohring nun am Montagabend wie geplant zur besten Sendezeit aufeinandertrafen.

          Der Ministerpräsident ließ sich nicht provozieren

          Und der Heimatsender hatte sich etwas einfallen lassen: Zunächst wurden eine halbe Stunde lang nur Ramelow und Mohring als die zwei aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten befragt, während im Anschluss eine Stunde lang die Spitzenkandidaten von AfD, FDP, Grünen und SPD sich im „Thüringer Vierkampf“ bewähren durften. So hatte jeder Kandidat theoretisch die gleiche Zeit, wobei der MDR dankenswerterweise darauf verzichtete, die Redezeit zu messen, die andere Runden ähnlicher Art meist völlig sinnlos verbürokratisiert und ihnen auch noch das letzte bisschen Überraschung und Spontanität raubt. Davon kann bei der Thüringer Runde am Montagabend keine Rede sein, auch wenn – es geht schließlich um Landespolitik – kein Unterhaltsfeuerwerk gezündet wurde. Gleichwohl waren die Moderatoren gut vorbereitet, sie hakten nach und ließen die Kandidaten auch kaum mit Floskeln oder deren Lieblingsthemen davonkommen.

          Freilich hatte man sich beim Titel „Duell“ Ramelow-Mohring deutlich mehr Lebendigkeit versprochen, zumal bekannt ist, wie Ramelow unvermittelt aus der Haut fahren kann, wenn ihm etwas gegen den Strich läuft – und am Ende oft genau damit die Sympathien des Publikums gewinnt, das ihm etwa bei seinen Bürger-Foren mit einer „Endlich-sagt‘s-mal-einer“-Haltung nicht selten beipflichtet. Doch der Ministerpräsident – mit Thüringen-Anstecker am Revers – gab ganz den verständnisvollen und überlegten Staatsmann, er ließ sich nicht provozieren, beantwortete brav alle Fragen, schüttelte höchstens mal mit dem Kopf, wenn der Oppositionsführer seiner Meinung nach falsch lag. Mohring wiederum – mit Krawatte in den Thüringer Landesfarben – versuchte häufiger mal anzugreifen, prallte aber regelmäßig an der Autorität des Regierungschefs ab, der in solchen Situationen den Kopf leicht zur Seite legte und mit einem „Schüler-Mohring-muss-noch-viel-lernen“-Blick zu seinem Duell-Gegner hinüber schaute.

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