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Thüringens CDU-Spitzenkandidat : Mohring will’s wissen

  • -Aktualisiert am

Den größten Kampf schon gewonnen: Mike Mohring im September auf dem Landesparteitag der CDU in Geisa Bild: dpa

Thüringens CDU will nach fünf Jahren in der Opposition endlich wieder regieren. Doch vor der Landtagswahl am Sonntag fehlt ihr dafür eine klare Perspektive.

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          Mike Mohring geht auf die Bühne, legt das Jackett ab, krempelt die Ärmel seines blütenweißen Hemdes hoch und lässt sich in den Sessel fallen. Er hat an diesem Tag bis vier Uhr morgens in Berlin zur Grundrente mitverhandelt, ist um 6.30 Uhr in den Zug nach Erfurt gestiegen und hat dann ununterbrochen Wahlkampf gemacht.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Um 19 Uhr ist in einer Sportgaststätte in Greiz das Finale dieses Tages angesetzt, 150 Leute sitzen im Saal, die Bedienung serviert Strammen Max, Hackepeter mit rohem Ei – und Weißbier, denn neben Mohring sitzt Ex-Sportreporter Waldemar Hartmann. Der Waldi, wie Hartmann genannt wird, hat sich da schon eine Stunde durch die Kneipe geduzt und jetzt Betriebstemperatur erreicht. Er ist erst kürzlich nach Leipzig und dann gleich für Sachsens CDU in den Wahlkampf gezogen. „Dann hat der Mike gesagt: Komm her! Und hier bin ich“, sagt Hartmann, der mit seiner Einwechslung in Thüringen – so erklärt er jedenfalls – auch helfen will, die AfD zu verhindern.

          Deren Vertreter wiederum sitzen an einem Tisch, der an dieser Stelle nicht klatscht. Auf die Eingangsfrage, wie sehr ihn der Wahlkampf schlaucht, schraubt Mohring seinen Oberkörper aus dem Sessel nach vorn, neigt den Kopf leicht nach links und sagt: „Anstrengend ist es, ja, aber man muss das ja nicht machen. Ich will aber, und ich mach’ das gerne.“ Kurze Pause. „Und es ist ja so: Meinen größten Kampf hab’ ich schon gewonnen, Anfang des Jahres“, sagt er. „Ich lebe, und das ist das Schönste, was es gibt.“ Im Saal ist es für einen Moment ganz still, dann gibt es kräftigen Applaus.

          Im vergangenen Herbst war bei Mohring Krebs diagnostiziert worden, er musste sofort operiert werden, danach mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen. Von diesem Moment an ging er, der sein Privatleben sonst bedeckt hält, offen mit der Krankheit um. Es blieb ihm auch nichts anderes übrig. Es sei wie eine Befreiung gewesen, hat er später gesagt. Die Anteilnahme und der Zuspruch aus der ganzen Republik hätten ihm Zuversicht gegeben. Seit Juni gilt er als geheilt.

          Einbrüche in den Umfragen

          Seitdem kennen 89 Prozent der Thüringer Mohring, 40 Prozent würden ihn direkt zum Ministerpräsidenten wählen – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Doch seine Partei profitiert davon nicht, im Gegenteil. Waldemar Hartmann versucht, Mut zu machen. Als er in Sachsen eingestiegen sei, habe die CDU bei 24 Prozent gelegen, sagt er. „Am Wahltag waren’s dann 32,1.“ Und er verteilt Wahl-Weisheiten: „Du darfst nicht wackeln! Du musst bis zum Schluss weiter Gas geben!“

          Dabei macht Mohring seit mindestens fünf Jahren nichts anderes. Seit 30 Jahren ist er in der Politik und wähnte sich noch im Frühsommer auf der Zielgeraden: endlich Ministerpräsident in Thüringen zu werden. Die CDU war stärkste Kraft, seine Widersacher in der Partei verhielten sich still oder hatten aufgegeben. Doch dann kam zum Sommerende der Einbruch in den Umfragen, die Union fiel erst hinter die Linke, dann hinter die AfD zurück. Wie zuvor in Brandenburg und Sachsen, schien nun auch in Thüringen der Wahlkampf auf ein Duell zwischen Amtsinhaber und AfD hinauszulaufen.

          Bereits im August hat Mohring „fehlenden Rückenwind“ aus Berlin kritisiert, und dass die teilweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags gleich wieder mit der Diskussion um zwei neue Steuern – nämlich auf Fleisch und Kohlendioxid – konterkariert werde. Das alles sei „keine glückliche Performance“; er registriere, dass vielen Leuten Zutrauen fehle, dass der Staat seine Versprechungen erfüllen kann. „Das alles stärkt die Ränder“, sagt Mohring. Seinen Konkurrenten Bodo Ramelow (Linke) und Björn Höcke (AfD) könne nichts Besseres passieren. „Die schaukeln sich gegenseitig hoch.“

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