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AfD-Erfolg in Thüringen : Höcke geht gestärkt in den Machtkampf

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung in die Bundesspitze der AfD?: Der Thüringer Partei- und Fraktionsvorsitzende Björn Höcke am Sonntag nach der Abgabe seiner Stimme in Bornhagen Bild: dpa

Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke kann nach dem Wahlerfolg aufatmen. In der Bundespartei hat er nun gute Chancen im Kampf um noch mehr Einfluss für sich und den rechtsnationalen Flügel.

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          Thüringens AfD-Vorsitzender Björn Höcke hat sich viel erhofft von dieser Landtagswahl. Nach den Ergebnissen in Brandenburg und Sachsen, wo die Partei Anfang September mit 23,5 und 27,5 Prozent jeweils zweitstärkste Kraft wurde, hat Höcke das nun auch in Thüringen erreicht. Zwar sind es nicht ein Viertel der Wählerstimmen wie der Partei noch im Sommer prognostiziert wurden, doch ist die Steigerung ihres Wahlergebnisses um 13 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 ein Erfolg für die AfD.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Obwohl Höcke der mit Abstand unbeliebteste Spitzenkandidat im Freistaat ist und seine Zustimmungswerte nicht mal halb so hoch sind wie die seiner Partei. Höcke wäre gerne stärkste Kraft in Thüringen geworden, doch könnte der zweite Platz für die AfD, die zudem die CDU hinter sich lässt, auch Höckes Position festigen. Noch im Juli hatte er auf dem Kyffhäusertreffen des nationalradikalen „Flügels“ der Partei, auf dem er sich als Anführer einer Art nationaler Rettungsbewegung feiern ließ, den Bundesvorstand frontal angegriffen und verkündet, bei der Neuwahl der Bundesspitze im November dieses Jahres dafür zu sorgen, dass diese nicht in der aktuellen Zusammensetzung wiedergewählt werde. Dem werde er sich nach der Landtagswahl in Thüringen „mit großer Hingabe und ganzer Leidenschaft“ widmen, sagte er.

          Nicht wenige hatten das als indirekte Bewerbung für die Parteispitze gedeutet, doch Höcke hält sich seitdem bedeckt - und hat denn auch nicht verlauten lassen, ob er sich tatsächlich um einen Platz im Bundesvorstand bewerben wird. Nach seiner Rede war er von anderen AfD-Mitgliedern, unter anderem vom Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, aufgefordert worden, seinen Hut in den Ring zu werfen, um die Verhältnisse zu klären. „Ich bin mir sicher, er wird scheitern“, sagte Junge damals der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zugleich hatten mehr als hundert Funktionäre und AfD-Mitglieder vornehmlich aus dem Westen in einem Appell „Für eine geeinte und starke AfD“ Höcke vorgeworfen, einen exzessiven Personenkult zu betreiben, die innerparteiliche Solidarität zu verletzen, Mitgliedern in den Rücken zu fallen und die Partei zu spalten.

          Viele Mitglieder wollten demnach dem radikalen Treiben des „Flügels“ nicht länger zusehen, zumal der traditionell in den ostdeutschen Landesverbänden (mit Ausnahme Berlins und Mecklenburg-Vorpommerns) starke Flügel versucht habe, die Landesverbände im Westen zu spalten. Allerdings bezieht der „Flügel“ seine Stärke ausschließlich aus den im Osten zum Teil doppelt so hohen Wahlergebnissen, nicht aber aus den Mitgliederzahlen – die sind, wie auch bei anderen Parteien, im Osten gering. Höcke dagegen hoffte noch am Samstag beim Wahlkampfabschuss in Erfurt auf „ein überragendes Ergebnis für die AfD“. Das ist es zwar nicht geworden, dennoch könnte Höcke gefestigt daraus hervorgehen. 

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