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Thüringer AfD-Vorsitzender : Höckes Welt

Der selbsterklärte Retter: Björn Höcke will das in seinen Augen bedrohte „Vaterland“ vor dem Untergang bewahren. Bild: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Der Thüringer AfD-Chef wirft mit Nazi-Vokabular um sich, träumt von einer De-Islamisierung und plädiert dafür, notfalls in „gallischen Dörfern“ den Widerstand zu organisieren. Ein Ausflug ins Denken eines Neurechten.

          8 Min.

          Der Star des Abends kommt zu Fuß und flankiert von Personenschützern. Er nähert sich der Bühne von der Rückseite, hinter der er einen Moment verborgen bleibt. „Jetzt kommt der Augenblick, auf den Sie alle gewartet haben“, sagt die Moderatorin. Noch ehe sie seinen Namen ausgesprochen hat, skandiert die Menge schon: „Höcke! Höcke! Höcke!“ Etwa 300 AfD-Anhänger sind der Einladung zum „Familienfest“ in Gera gefolgt. Auf dem Platz vor dem sanierungsbedürftigen Kultur- und Kongresszentrum, den zwei trostlose Nachwende-Shopping-Malls flankieren, hat die Partei eine Hüpfburg aufgestellt. Es gibt Bratwurst, Bier und ein DJ-Duo.

          Philip Eppelsheim

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Höcke ist als Spitzenkandidat der thüringischen AfD seit Anfang Oktober so gut wie jeden Tag auf einem solchen „Familienfest“. Bei der letzten Umfrage vor der Landtagswahl am Sonntag stand seine Partei bei 24 Prozent. Höcke bietet seinem Publikum sofort, was es hören will. „Dieses Land Thüringen und Deutschland wird von vaterlandslosen Gesellen regiert“, ruft er unter Applaus. Und weil der Wind die Pfiffe der Gegendemonstranten herüberweht, wendet er sich auch gleich an diese: „Ich grüße euch, ihr Opfer der Bildungskatastrophe!“ Wenn erstmal die AfD regiere, werde man „das sumpfige Biotop des Linksextremismus, das unter Rot-Rot-Grün genährt worden ist, trockenlegen“. Höcke fordert seine Zuhörer auf, den „Wahltag zum Zahltag für Alt- und Kartellparteien“ zu machen.

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