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Vor der Landtagswahl : Wer ist eigentlich der Kandidat der CDU in Schleswig-Holstein?

Lässiger Blick über die Schulter: Daniel Günther besucht die Klinkerhäuschen von Eckernförde. Bild: Henning Bode

Vor der Wahl in Schleswig-Holstein ist der Spitzenkandidat der CDU immer noch wenig bekannt. Aber ihm gehört die Zukunft. Wir haben Daniel Günther beim Straßenwahlkampf getroffen.

          Zu den Besonderheiten von Schleswig-Holstein gehört, dass ein vergleichsweise wenig bedeutendes Flächenland mit schöner Regelmäßigkeit Politiker hervorbringt, die so ziemlich jeder in Deutschland kennt. Gerhard Stoltenberg, Uwe Barschel, Björn Engholm, Heide Simonis – die Namen allein erzählen schon dramatische Geschichten. Von historischen Momenten und Größe erzählen sie, von Intrige und Verrat. Auch Namen aus der jüngeren Landesgeschichte haben noch einen ganz eigenen, weithin bekannten Klang. Christian von Boetticher zählt dazu, der wegen einer längst zurückliegenden Affäre mit einer Minderjährigen politisch in der CDU zu Fall gebracht wurde. Oder Peter Harry Carstensen, der gegen seine eigene CDU Wahlen gewann und dann gleichsam den Urtyp des „Landesvaters“ verkörperte.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auch aktuelle Landespolitiker, die derzeit mitten im Landtagswahlkampf stehen, genießen einen Ruf wie Donnerhall. Ralf Stegner gehört dazu, der umstrittene Mann des linken SPD-Flügels, ein Terrier in der politischen Auseinandersetzung. Ebenso Wolfgang Kubicki, der unverwüstliche FDP-Grande, der in diesem Jahr zuerst in den Kieler Landtag, dann aber in den Bundestag einziehen will. Nicht zu vergessen Robert Habeck, der Grüne, der bei der Ur-Wahl beinahe Spitzenkandidat seiner Partei im Bund geworden wäre und nun nur noch Landesminister mit ungewisser politischer Zukunft ist. Den Spitzenmann der SPD kennt man auch, Ministerpräsident Torsten Albig.

          Alle nennen ihn Dani

          Aber wer war noch mal der Herausforderer von der CDU? Einfacher Name, junges Gesicht, schmaler Junge – das fällt einem vielleicht noch ein. Aber dann? Kennt den überhaupt jemand? Ja. Der ältere Mann, der aus seiner Reihenhaustür in der Wilhelm-Lehmann-Straße von Eckernförde tritt, freut sich sichtlich: „Guten Tag, Herr Günther. Das ist ja ein Ding, dass Sie bei mir klingeln.“ Und Daniel Günther freut sich über die nette Begrüßung. Er überreicht sein Faltblatt, das Wahlprogramm, den Kugelschreiber. Er lädt für den Abend zur Gesprächsrunde mit allen Spitzenkandidaten im Wahlkreis Eckernförde ein. Und über gemeinsame Bekannte können die beiden auch kurz schnacken. Es ist ein typischer Moment im Straßenwahlkampf. Bis der Mann sich in seinen Hausschuhen doch noch einen Schritt weiter aus der Tür wagt, um Günther zu sagen: „Ihr Problem ist, dass Sie zu wenig bekannt sind.“

          Dabei stammt Günther sogar aus Eckernförde. Hier ist er aufgewachsen, hier lebt der 43 Jahre alte Politiker mit Frau und Kind. Hier hat er schon zweimal das Direktmandat bei Landtagswahlen gewonnen. Auch diesmal sollte ihm das am 7. Mai gelingen. Zweifel gibt es nicht. Für die CDU sieht es nicht schlecht aus. Dass der neue Ministerpräsident Daniel Günther heißen könnte, ist zumindest keine Träumerei. Der Dani, wie sie ihn alle nennen. Auch die Jungs von der Jungen Union, die mit dem Spitzenkandidaten durch das Viertel um die Wilhelm-Lehmann-Straße ziehen und mit denen er später zur „Strategiebesprechung“ Pizza essen wird, nachdem er sich auf der Toilette des Italieners umgezogen hat – raus aus den bequemen Straßenwahlkampfsachen, rein in einen blauen Anzug für die Abenddebatte.

          Alle Ampeln standen auf Günther

          Die Junge Union findet ihren früheren Mitstreiter großartig. Und überhaupt ist die Wahlkampfstimmung bei der CDU im Norden eine geradezu fröhliche. Denn für die Union hat Günther schon jetzt gewonnen, auch wenn die Wahl noch ein paar Wochen hin ist. Was Martin Schulz für die Bundes-SPD, das ist Günther für die CDU in Schleswig-Holstein. Seit er Parteivorsitzender und Spitzenkandidat ist, wirkt die Partei wie befreit. Auf einmal ist die Chance wieder da, das linke Bündnis aus SPD, Grünen und dem Südschleswigschem Wählerverband SSW zu schlagen und selbst wieder an die Macht zu gelangen, am besten mit einem Koalitionspartner FDP.

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