https://www.faz.net/-gpf-8xmq6

CDU-Wahlsieger Günther : Der Unerwartete

Triumph in Kiel: Der schleswig-holsteinische CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther. Bild: Reuters

Ihn hatte kaum jemand auf der Rechnung: Der überraschend deutliche Sieg des CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther hat viele Beobachter überrascht. Dabei spielt er in der CDU im Norden schon lange eine wichtige Rolle.

          2 Min.

          Daniel Günther bestritt den Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein aus einer eigentlich aussichtslosen Position: Erst im November war er zum Spitzenkandidaten der CDU gewählt worden und kurz danach zum Parteivorsitzenden. Zuvor hatte der zunächst Gewählte, der Noch-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing, wegen allzu schlechter Umfragewerte aufgegeben. Günther konnte also nur gewinnen. Den Wahlkampf führte er fleißig, immer wirkte er zuversichtlich, gelassen und witzig, und er hatte einen großen Vorteil: Er wusste, wenn es dieses Mal nicht klappt, dann vielleicht in fünf Jahren. Der 1973 in Kiel geborene Günther, der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert hat, hätte noch warten können.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nun ist er schon beim ersten Anlauf am Ziel: Er hat Ministerpräsident Torsten Albig und die SPD geschlagen, die sogenannte Küsten-Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) wurde abgewählt. Noch am Wahlabend versprach Günther, so rasch wie möglich mit Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen zu beginnen. Für ihn ist klar: In Kiel kann es nur ein Bündnis zwischen CDU, FDP und Grünen geben. Die FDP ist ohnehin sein Wunschpartner, und die Grünen werden sich schon bald der Realität stellen müssen, wenn sie nicht bedeutungslos werden und nicht ihren wichtigsten Mann verlieren wollen, den Noch-Minister Robert Habeck, der dem neuen Landtag nicht angehört.

          Günther könnte in den Verhandlungen zwei große Aufgaben lösen: Er muss seine eher konservative Partei verjüngen und modernisieren; sie soll sein, wie er selbst ist: wertkonservativ, aber offen für alles Neue. Zudem muss er den Grünen die Chance geben, neue Wege zu begehen und aus der dauernden Selbstbespiegelung herauszukommen. Das wäre für alle Beteiligten ein Signal in Richtung Bundespolitik.

          Am Wahlabend schien es manchem, als käme Daniel Günther gleichsam aus dem Nichts. Er spielt jedoch in der CDU Schleswig-Holsteins und im Landtag bereits seit längerem eine bedeutende Rolle. So war er als Landesgeschäftsführer für den Parteivorsitzenden Peter Harry Carstensen in schwierigen Situationen auch mal so etwas wie der Ausputzer. Günther kennt aus jener Zeit seine Pappenheimer sehr genau. Seit 2014 führte er die Fraktion, und er traute sich auch zu, die Partei zu führen. Dazu fehlte nur die Gelegenheit, sie bot sich mit Liebings Rücktritt. Da war klar: Jetzt kann es nur noch Günther machen. Die CDU hatte seit 2011, seit dem freiwilligen Abgang Carstensens, vier Vorsitzende verbraucht. Nun schließt Günther an Carstensen an, der ihn förderte und von dem er viel gelernt hat. Günther hat die CDU befriedet, nun führte er sie auf Erfolgskurs und kontrolliert sie.

          Am 6. Juni wählt der Kieler Landtag den neuen Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Er könnte Daniel Günther heißen. Günther ist Langstreckenläufer, als Leichtathlet und in der Politik. Er ist verheiratet und Vater einer ein Jahr alten Tochter.

          Weitere Themen

          „Ich bin ein großer Fan von Erdogan“ Video-Seite öffnen

          Donald Trump : „Ich bin ein großer Fan von Erdogan“

          Um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei steht es nicht zum Besten. Doch Amerikas Präsident Trump empfängt seinen türkischen Kollegen Erdogan mit besonders warmen Worten in Washington.

          Merz will reden

          FAZ Plus Artikel: F.A.Z. exklusiv : Merz will reden

          Es grummelt in der CDU. Friedrich Merz hat angekündigt, auf dem Parteitag in Leipzig eine Programmrede zu halten. Er will Lösungen für die Union präsentieren und gibt sich selbstbewusst: „Es wurden schon andere Reden in Leipzig gehalten.“

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson während eines Wahlkampf-Termins in einer Chips-Fabrik im nordirischen County Armagh

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.
          Für Normalverdiener entfällt der Posten Solidaritätszuschlag künftig auf dem Steuerbescheid.

          Für 90 Prozent der Zahler : Der Soli wird zum Teil abgeschafft

          Ab 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag – zumindest für diejenigen, die nicht mehr als 73.874 Euro brutto im Jahr verdienen. Doch auch wer mehr verdient, kann von der so genannten Milderungszone profitieren.
          Durch Wolken aus Tränengas: Demonstranten in Bagdad

          Irakischer Fußball und Protest : Löwen im Tränengas

          Eigentlich sollte die irakische Fußball-Nationalmannschaft ein wichtiges Länderspiel gegen Iran im eigenen Land abhalten. Doch es kommt alles anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.