https://www.faz.net/-gpf-8xlog

Wahl in Schleswig-Holstein : SPD verliert mit Schulz und Albig

Ein Wahlplakat von Torsten Albig schwimmt in der Kieler Förde. Bild: dpa

Nach der Wahl im Saarland erleben die SPD und ihr Kanzlerkandidat Schulz die zweite Schlappe in Folge. Die Niederlage im Norden muss sich aber vor allem Ministerpräsident Torsten Albig selbst zuschreiben.

          Sollte der Ausgang der Landtagswahl in Schleswig-Holstein durch den Kandidatenfaktor beeinflusst worden sein – Martin Schulz war es nicht. Wie schon Ende März bei der Landtagswahl im Saarland stand der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten zwischen Nord- und Ostsee nicht direkt zur Wahl. Erst recht nicht vermochte es die SPD, die Landtagswahl in ein Plebiszit über die Erfolgschancen des Merkel-Herausforderers umzumünzen. Dieser Versuch war schon an der Saar gescheitert. Mehr noch: Damals trieb das Liebäugeln der SPD mit einem Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen und Linken die Wähler der CDU in Scharen zu, Schulz-Rausch hin oder her.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          An diesem Wahlsonntag brauchte es weder das rot-rot-grüne Gespenst noch Schulz, damit die Bürger in Schleswig-Holstein der SPD die zweite krachende Niederlage in Folge bereiteten. Die Landtagswahl wurde zur Abstimmung über den Ministerpräsidenten-Kandidaten Torsten Albig. Je näher der Wahltag rückte, desto kleiner wurde die Zahl der Bürger, die ihm und der seit zehn Jahren von dem Parteilinken Ralf Stegner geführten SPD weiterhin die Geschicke des Landes anvertrauen wollten. Zweifel an der Kompetenz eines Mannes, der seiner Partei schon einmal riet, gegen Angela Merkel keinen Kanzlerkandidaten aufzustellen, gab es schon länger. Wer dann noch als Ministerpräsident das Scheitern seiner Ehe als Homestory ausbreitet, sollte sich über sinkende Sympathiewerte nicht wundern.

          Von Ansehen und Kompetenz ihrer Spitzenkandidaten profitieren konnten in Schleswig-Holstein dagegen die beiden Parteien, die sich in der Theorie eher über ihr Programm als über ihre Politiker definieren: Die Grünen mit dem Duo Heinold/Habeck wie die Freien Demokraten mit dem langgedienten Landespolitiker Wolfgang Kubicki an der Spitze kamen beide auf einen Stimmenanteil von mehr als zehn Prozent – Werte, von denen beide Parteien im Bund derzeit nur träumen können.

          Die CDU hingegen konnte zwar noch nicht wieder an die Zeiten anknüpfen, in denen sie in Schleswig-Holstein vierzig Prozent der Stimmen und mehr erhielt. Doch dass die CDU aus der Opposition heraus die SPD so klar wie seit langem nicht mehr auf Platz zwei verweisen konnte, ist in mehrfacher Hinsicht eine kleine Sensation. Wie schon im überwiegend katholischen Saarland war die Bundespartei mit ihrer Vorsitzenden Angela Merkel auch im protestantisch geprägten Schleswig-Holstein kein Mühlstein um den Hals der Landespartei. So schlecht ist es im Jahr neun der Finanz- und im Jahr zwei der Flüchtlingskrise um das Ansehen der Bundeskanzlerin nicht bestellt, als dass die Bürger ihre Partei nirgends mehr an der Macht sehen wollten. Im Gegenteil.

          Wahl in Schleswig-Holstein



          Allerdings verdankt die CDU in Kiel ihren Sieg in erster Linie genau so wenig Angela Merkel wie die SPD ihre Niederlage Martin Schulz. Die Union hatte den richtigen Kandidaten zur richtigen Zeit. In Daniel Günther konnte sie einen Politiker aufbieten, dem es trotz des vergleichsweise jungen Alters weder an Erfahrung noch an Seriosität mangelte. Mindestens ebenso wichtig war, dass die CDU auf den Themenfeldern Schule, Verkehr und Innere Sicherheit/Flüchtlingspolitik eine programmatische Alternative zu der selbstgefälligen „Küstenkoalition“ bot. Für einen Gerechtigkeitswahlkampf à la Schulz und „Wir-sind-das-Volk“-Rattenfängereien à la AfD taugten die Probleme des Landes nicht. Deswegen wählte der Norden wie eigentlich immer: Das Land zuerst.

          Weitere Themen

          Union beendet Europawahlkampf Video-Seite öffnen

          Merkel ist auch da : Union beendet Europawahlkampf

          Beim Abschluss des Europawahlkampfs der konservativen EVP in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit von der Partie. Das jähe Ende der Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich ist auch hier Thema.

          Topmeldungen

          Streit um Grenzmauer : Trump diffamiert Richter

          Präsident Donald Trump ärgert sich, weil ein Bundesrichter einen Teil der Mittel für Grenzanlagen blockiert hat. Der Richter sei ein „Aktivist“. Trump hat mittlerweile mit sieben Klagen gegen seine Mauer zu Mexiko zu kämpfen.

          DFB-Pokalsieg der Bayern : Lewandowski und seine ganz besondere Show

          Er trifft nicht in entscheidenden Spielen? In den Finals um den DFB-Pokal beweist Robert Lewandowski das Gegenteil. Beim 3:0-Sieg über Leipzig ragt der Stürmer heraus – und stellt mit einem Weltklasse-Tor einen Rekord auf.
          Wahlkampfhilfe aus Thüringen: Ministerpräsident Bodo Ramelow greift Kristina Vogt, Spitzenkandidatin der Linken in Bremen, bei einem Wahlkampftermin im kleinen Stadtstaat unter die Arme.

          Die Linke in Bremen : Fundamentalopposition war einmal

          In Bremen wird gewählt, und die Linkspartei könnte hier erstmals im Westen an einer Regierung beteiligt werden. Dafür gibt sich die Partei staatstragend – doch wie hält sie es mit der Haushaltskonsolidierung in der verschuldeten Hansestadt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.