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Triell der Spitzenkandidaten : „Sie würgen mich immer ab“

Die Spitzenkandidaten beim Triell: Daniel Günther (CDU), Thomas Losse-Müller (SPD) und Monika Heinold (FDP) Bild: AFP

Beim zweiten Fernsehtriell kurz vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein werden die Spitzenkandidaten von den Moderatoren streng kontrolliert – bei Redezeit und Themensetzung. Besser macht das die Debatte nicht.

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          Er habe sich selten so über ein negatives Ergebnis gefreut, schrieb der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther am Mittwoch auf Facebook über seinen Corona-Test. Er habe „richtig Bock auf den Wahlkampfendspurt“. Der CDU-Politiker war am 25. April positiv auf das Coronavirus getestet worden und befand sich seitdem in häuslicher Isolation. Die konnte er nun – wenige Tage vor der Landtagswahl an diesem Sonntag – beenden, pünktlich zum Spitzenkandidaten-Triell des NDR im Landeshaus in Kiel.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Ursprünglich sollte die Diskussionsrunde schon am 26. April stattfinden, Günther sagte nach seiner Corona-Infektion aber ab. Und auch beim Nachholtermin war bis zuletzt unklar, ob der 48 Jahre alte CDU-Politiker in Präsenz teilnehmen können würde.

          „Schön, dass Sie heute alle negativ getestet, aber positiv gestimmt sind“, sagte Moderator und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz zu Beginn der Sendung. Welcher der drei Teilnehmer – neben Günther die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Thomas Losse-Müller und Monika Heinold – am ursprünglichen Sendetermin an Covid-19 erkrankt war, hatte er zuvor unerwähnt gelassen, was angesichts der Tatsache, dass Günthers Erkrankung alles andere als ein Geheimnis war, etwas seltsam wirkte.

          Diese gezwungen-lockere Begrüßung setzte den Grundton für eine verspannte Sendung mit teils angespannt wirkenden Kandidaten. Die Folgen des Kriegs in der Ukraine waren dabei ebenso Thema wie die Probleme Schleswig-Holsteins bei Infrastruktur und Verkehr, die Energiewende oder die Digitalisierung der Schulen.

          Immer wieder wird auf die Redezeit verwiesen

          Doch egal, um welches Thema es gerade ging, immer wieder beendeten die Moderatoren Redebeiträge abrupt mit dem Hinweis, dieses oder jenes Thema, die Mietpreisbremse etwa oder die Kitagebühren, sei erst im späteren Verlauf der Sendung Thema. Das brachte nicht nur die Spitzenkandidaten aus dem Fluss, es erschwerte es den Zuschauern auch, der Argumentation der Politiker zu folgen.

          Immer wieder verwiesen die Moderatoren – Cichowicz wurde unterstützt von Julia Stein – fast zwanghaft auf die Redezeit. Irgendwann wurde es der Grünen-Politikerin Heinold zu viel. „Sie würgen mich immer ab und dann sagen Sie: ‚Die redet immer so kurz‘“, beschwerte sie sich.

          Günther hingegen gelang es, die Verweise auf die Redezeiten in seine Argumentation einzubauen. Nachdem er von den Moderatoren auf seinen zu großen Anteil am Gespräch hingewiesen worden war, konterte er das Nachhaken zu möglichen Koalitionsoptionen abseits von Jamaika mit einem Lächeln und dem Satz, er gebe jetzt nicht noch einmal eine Antwort darauf. Denn „dann geht meine Redezeit wieder hoch“.

          Günther regiert seit 2017 in Kiel mit FDP und Grünen. Und bisher hat er immer wieder betont, dass er dies auch gerne weiter tun würde. So auch an diesem Abend: Jamaika habe dem Land gutgetan und es sei seine „feste Überzeugung, dass das Schleswig-Holstein auch in den nächsten Tagen gut tun wird“.

          Doch wenn die Umfragewerte für die CDU nicht trügen – sie liegt zwischen 36 und 38 Prozent –, könnte ihr nach der Wahl ein Partner reichen, um eine Regierung zu bilden, die FDP oder die Grünen. Einen Lieblingspartner wollte Günther im NDR an diesem Abend allerdings nicht küren. „Wir haben erfolgreich mit den drei Parteien zusammengearbeitet, ich möchte niemanden missen“, sagte er. Tatsächlich können die Jamaika-Partner auf hohe Zustimmungswerte verweisen: 75 Prozent der Schleswig-Holsteiner sind laut einer aktuellen Umfrage für den NDR zufrieden mit der Arbeit der Regierung.

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