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Kommentar : Der Kubicki-Coup

Wolfgang Kubicki, die Gorch Fock der schleswig-holsteinischen Landespolitik, das Holstentor der FDP. Bild: dapd

Die Wahl im Norden hat drei Überraschungen: die Piraten, die schwache SPD - und die starke FDP. Kubicki macht es möglich. Aber wer ist der Kubicki im Bund?

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          Noch ist die FDP nicht gerettet. Doch das Ergebnis bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist mehr, als ihr selbst Optimisten vor Wochen noch zugetraut hätten; vielleicht sogar mehr, als Wolfgang Kubicki erwartet hatte. Denn in Schleswig-Holstein deutlich mehr als fünf Prozent der Stimmen auf sich zu ziehen, ist selbst in Zeiten, in denen die FDP nicht um ihre Existenz fürchten muss, ein beachtliches Zeichen.

          Das zweistellige Ergebnis von 2009 - gleichzeitig mit der Bundestagswahl - war eine piratenhafte Ausnahme. Wären die Freien Demokraten hingegen jetzt an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, hätte die Sprachregelung der Liberalen zwischen Kiel, Düsseldorf und Berlin lauten können: Kein Beinbruch; das hat es schon öfter im Norden gegeben; alles ist offen.

          Nicht nur der Spitzenkandidat Kubicki hat zu dieser Überraschung beigetragen. Ihm kam zugute, dass die CDU mit einem Kandidaten antrat, der zwar glaubwürdig wirkte, solange er Glaubwürdigkeit zum Thema machte, doch darüber hinaus keine Strahlkraft entwickelte.

          Zudem hatte sich die CDU als Wahlkampfschlager die Haushaltskonsolidierung, die Schuldenbremse und Einsparungen ausgesucht - das wirkt auf FDP-Wähler noch mobilisierender als auf die der CDU. Schließlich hatte Kubicki auch noch Glück im Unglück: Die Neuwahl in Nordrhein-Westfalen und die Rückkehr Christian Lindners an die gefühlte Spitze der Partei brachten nicht nur wichtige Umfrage-Punkte, sondern entlasteten ihn auch von der Bürde des einsamen liberalen Supermanns, der das Unmögliche möglich machen soll.

          Was Kubicki in Schleswig-Holstein gelungen ist, wird Lindner in Nordrhein-Westfalen weitgehend kopieren können. Auch er hat es mit einem CDU-Spitzenkandidaten zu tun, der es bislang nicht vermag, seine Partei in Fahrt zu bringen; der die Finanzpolitik in den Mittelpunkt stellt und damit einen weiteren Grund liefert, um ein gutes Werk zu tun und FDP zu wählen.

          Doch wenn Lindner den Kubicki-Coup wiederholt, wird die Frage noch bohrender, die sich der FDP seit Wochen stellt: Wo ist im Bund der Kandidat, der kann, was in den Ländern möglich ist? Wo ist vor allem der Spitzenkandidat, der es nicht mit einem relativ schwachen CDU-Nebenmann zu tun hat, sondern mit einer starken Frau aufnehmen muss, der Kanzlerin? Der Name des Parteivorsitzenden Rösler drängt sich da nicht auf.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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