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Fernsehduell im Norden : Bildung, Bonmots und Bekennermut

Handschlag vor dem Duell im Fernsehstudio: Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6.Mai, Torsten Albig (SPD, l.) und Jost de Jager (CDU) Bild: dapd

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein gerät CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager beim Fernsehduell nur anfangs in die Defensive. Bei den Themen Finanzen, Bildung, Energie machte de Jager das gelassen wett. Sein SPD-Konkurrent Torsten Albig wirkte fahrig und angespannt.

          Der CDU in Schleswig-Holstein ist im Wahlkampf ein Fehler passiert. Sie hat dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der Partei der dänischen Minderheit, unterstellt, dieser wolle Taschengeld für Insassen der Justizvollzugsanstalten. Das war eine bösartige Verkürzung der SSW-Aussagen mit dem erkennbaren Ziel, den Plan der SPD für eine rot-grüne Landesregierung mit dem SSW anzugreifen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Sache spielte beim Fernsehduell am Mittwochabend im NDR, vier Tage vor der Landtagswahl, gleich zu Beginn eine Rolle. SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig konnte wiederholen, was er dazu schon gesagt hatte: Das erinnere ihn an die Zeiten damals mit Uwe Barschel – wohl wissend, dass das die empfindliche Stelle der CDU im Norden ist. CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager konnte nun unmöglich das vielleicht für die Wahl entscheidende Fernsehgespräch mit einer Entschuldigung beginnen, aber er sagte, die Sache sei inzwischen mit dem SSW ausgeräumt. So kam de Jager in der ersten Minute in die Defensive.

          De Jager kennt keinen Stress

          Als es dann aber um die Landesthemen in diesem Wahlkampf ging, um Finanzen, Bildung, Energie, machte de Jager alles wett, holte am Ende sogar noch bei der Redezeit auf und ging am Ende als Sieger aus dem Fernsehstudio. Seine große Gabe kam zum Einsatz, der Mann kennt keinen Stress. Während Albig fahrig wurde, schwitzte, immer wieder zum Wasserglas griff und nur mit Mühe lächeln konnte, blieb de Jager gelassen, beinahe vergnügt.

          Als Albig – es ging um den Unterrichtsausfall – den von de Jager erwähnten Lehrervertretungsfonds für die Schulen als hilfloses Agieren abtat, entgegnete de Jager kühl bis ins Herz, der Fonds sei unter der SPD-Ministerin Ute Erdsiek-Rave eingeführt worden. Als Albig sich für den Ausbau der Infrastruktur einsetzte und kritisierte, dass es mit der Autobahn 20 nicht vorangehe, konterte de Jager, unter Rot-Grün sei bis 2005 kein Stück der A 20 gebaut worden, während in Mecklenburg-Vorpommern schon der ganze Abschnitt fertig wurde.

          De Jager lächelte über den, wie er süffisant sagte, „Bekennermut“ der SPD, die in ihrem Programm verspricht, die Fehmarn-Belt-Querung zu unterstützten – wenn sie denn käme. Und dann gelang de Jager ein Bonmot: Mit einem solchen Bekennermut wäre vom ein Jahrhundert alten Nord-Ostsee-Kanal heute noch nicht einmal eine Schleuse fertig.

          Der CDU-Mann ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als er gefragt wurde, ob er beim allgemeinen Sparen auch auf einen Teil seiner Bezüge verzichten würde. Nein das würde er nicht tun, antworte er. Wichtiger sei, für diese Bezahlung glaubwürdige Politik zu betreiben, klare Ziele zu nennen und für sie nach der Wahl auch einzutreten. De Jager wirkte wie er selbst, Albig hingegen so, als weiß er nicht, was in der Staatskanzlei auf ihn zukommt.

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