https://www.faz.net/-gpf-9q7ln

Vor Wahlen in Ostdeutschland : Warum wir das „Labor Sachsen“ im Blick haben sollten

  • -Aktualisiert am

Für ein geeintes Deutschland: Demonstranten bei der Montagsdemonstration am 12. März 1990 in Leipzig Bild: dpa

Die Erfahrung mit tiefgreifenden Brüchen und Strukturwandel ist eine Ressource, die immer wichtiger wird. Die Sachsen mit ihren gebrochenen Biographien haben – wie andere Ostdeutsche auch – an dem Punkt mehr einzubringen als nur eine für viele beunruhigende Parteienlandschaft.

          13 Min.

          Von sächsischen Territorien sind historische Impulse von großer Reichweite ausgegangen. Reformation oder friedliche Revolution – das sind positiv konnotierte Stichworte, die man weithin mit „Sachsen“ verbindet. So manchem dürfte auch die Sozialdemokratie in den Sinn kommen: Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das früh industrialisierte Land zur Keimzelle der modernen Arbeiterbewegung schlechthin. Seit 1903 sprach man gar vom „Roten Königreich“. Die SPD hatte 22 der 23 sächsischen Reichstagswahlkreise erobert.

          Ein Königreich war Sachsen 1918 nicht mehr, „rot“ aber blieb es noch einige Zeit. Im Herbst 1923 bildeten sich in Thüringen und Sachsen sogar sozialdemokratische Kabinette, die mit der KPD regierten. Ein Novum in der deutschen Geschichte. Hier, wie so oft davor und danach, erschien Sachsen wie ein Labor für neue politische Konstellationen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.