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Vor den Landtagswahlen : Was will die Linke im Osten?

„Schwester Agnes“ Petra Franz-Bohn sitzt beim Wahlkampftermin der Linken in Nossen auf einer Schwalbe. Bild: Stefan Locke

In Brandenburg weiß die Linke nicht, ob sie noch mal regieren will. In Sachsen wird sie nicht mehr stärkste Oppositionspartei sein. Woher rührt die Schwäche der einstigen „Ostpartei“?

          6 Min.

          Der Nossener Marktplatz ist morgens um 10 Uhr gähnend leer, aber das ficht die Wahlkämpfer der Linken nicht an. Tapfer stehen sie neben ihrem Wahlmobil am Marktbrunnen und warten auf potentielle Wähler. Ihr Trumpf an diesem Morgen ist „Schwester Agnes“, die in „Uniform“ und mit umgehängtem Stethoskop auf einer grünen Schwalbe Platz genommen hat. Mit dem DDR-Moped, das inzwischen in ganz Deutschland Kult ist, fuhren früher sogenannte Gemeindeschwestern über Land, kümmerten sich um Kranke, pflegten Senioren und waren geachtete Ansprechpartner. Im Fernsehfilm „Schwester Agnes“, den so gut wie jeder kennt, der im Osten aufgewachsen ist, wurde ihnen ein Denkmal gesetzt. „Ich kann gar nicht Moped fahren“, gesteht Petra Franz-Bohn, wie die 54 Jahre alte Frau eigentlich heißt. Sie ist bei einem Pflegedienst angestellt und fährt im Auto zu ihren Patienten. Doch die Bedingungen, unter denen sie das tut, haben sie in die Politik gebracht: zur Linkspartei.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Deren sächsischer Landesverband ist mit 8000 Mitgliedern immer noch der größte im Osten – und der einzige, der noch nie regiert hat. In Brandenburg regiert die Linke seit zehn Jahren mit, in Berlin seit drei, in Thüringen stellt sie gar den Ministerpräsidenten, und auch in den anderen Ost-Ländern saß sie schon am Kabinettstisch. Nur in Sachsen führten die Dominanz der CDU und die Schwäche der SPD dazu, dass für die Partei nur der Platz der größten Oppositionspartei blieb. Nach Lage der Dinge wird sie diesen Status nach der Wahl am 1. September an die AfD abgeben. Aufgeben aber gilt nicht für Rico Gebhardt, den sächsischen Spitzenkandidaten, der etwas verloren auf dem Marktplatz herumsteht, während Petra Franz-Bohn Passanten den Blutdruck misst. „Wir gehen bewusst in kleine Orte“, sagt Gebhardt. In Städte und Dörfer, die seit 1990 von vielen Menschen, vom Handel und vom Staat samt Schulen und Ämtern verlassen wurden.

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