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CDU vor AfD in Sachsen : „Wir haben es geschafft“

„Begrüßt mit mir den Wahlsieger des heutigen Abends“, ruft Meuthen, bevor der sächsische Spitzenkandidat Jörg Urban ans Mikrofon tritt. Er hat bereits einen Sprechzettel vorbereitet, in dem er das Ergebnis für seine Partei als „historisch“ bezeichnet. „Unsere junge Partei hat die CDU-Hochburg Sachsen gehörig ins Wanken gebracht“, ruft er seinen Anhängern zu. Angesichts des größten Zuwachses aller Parteien sei die AfD „heute der Wahlsieger“. Urban wäre aber nicht Urban, wenn er in dem Jubel nicht auch noch eine Klage anstimmen würde: Die AfD sei wie keine andere Partei im Wahlkampf behindert worden, ihre Plakate seien zerstört, ihre Wahlkämpfer angegriffen und ihre Landesliste gekürzt worden. Urban fordert einen Untersuchungsausschuss zur Landtagswahl.

Unter 30 Prozent, trotzdem glücklich: Die AfD-Führung bei ihrer Wahlparty in Dresden
Unter 30 Prozent, trotzdem glücklich: Die AfD-Führung bei ihrer Wahlparty in Dresden : Bild: dpa

Bis zum späten Abend war unklar, wie viele Kandidaten die Partei in den Landtag schicken kann. Nachdem die AfD schwere Fehler bei der Aufstellung ihrer Landesliste gemacht hatte, konnte sie lediglich mit 30 ihrer 60 Listenkandidaten zur Wahl antreten. Mit zusätzlichen Direktmandaten, die sie vor allem in Ostsachsen wahrscheinlich sind, könnte die Partei aber womöglich alle ihr nach den Zweitstimmen zustehenden Landtagsplätze besetzen. Während die sächsischen Kandidaten im Anschluss an die 18-Uhr-Prognose schnell auf den am Terrassenufer bereitliegenden Elbdampfer für die parteiinterne Wahlparty eilen, bleibt Meuthen im Landtag, um seiner Partei vor Journalisten eine große Zukunft vorauszusagen. „Das Potential der AfD ist noch lange nicht ausgeschöpft“, erklärt er. Im Gegenteil, das Sachsen-Ergebnis werde der Alternative „bundesweit einen Schub“ geben.

Allerdings war die AfD noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause drauf und dran, die CDU auch bei der Landtagswahl zu überholen und damit nach ihren Siegen bei der Bundestags- und Europawahl in Sachsen ihren dritten Triumph über die CDU in Folge einzufahren. Urban träumte schon vom Amt des Ministerpräsidenten und einer Koalition mit der CDU, in der sich die Union als Juniorpartner fortan „unterordnen“ sollte. „Ich würde wirklich gern regieren“, sagte er noch zehn Tage vor der Wahl in Bautzen. Allerdings nur, wenn die AfD den Ton angebe.

Dazu wird es nicht kommen. Dass es der CDU gelungen ist, in den letzten Tagen des Wahlkampfs zuzulegen, hat auch etwas damit zu tun, dass Kretschmer alle Reserven mobilisierte. „Das tut so gut, dass Sie alle hier sind“, ruft er kurz vor dem Wahltag in Leipzig an der Nikolaikirche den rund tausend Menschen zu, die zur Abschlussveranstaltung seines Wahlkampfs gekommen sind. „Wir sind anständige Sachsen und nicht die Raufbolde, die ein Zerrbild von diesem Land vermitteln. Denen müssen wir ein klares Bekenntnis entgegensetzen!“ Seine Anhänger danken es ihm mit großem Beifall. Zur Unterstützung sind Helfer aus Berlin gekommen; in Leipzig stehen ihm die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, ihr Generalsekretär Paul Ziemiak und Gesundheitsminister Jens Spahn zur Seite. In Bautzen, eine halbe Autostunde westlich von Görlitz gelegen, steht Kretschmer eines Nachmittags kurz vor der Wahl vor etwa 300 Anhängern. „Wir sind eine Oberlausitz, was ich tun kann für unsere gemeinsame Heimat, das werde ich immer tun“, ruft er den Leuten an den Biertischen entgegen. Auch in Bautzen ist die AfD allgegenwärtig; nicht nur, weil sie hier viel Zustimmung bekommt, sondern auch, weil ihr Landesvorsitzender Urban hier als Direktkandidat antritt. Ohne die Partei beim Namen zu nennen, schimpft Kretschmer über die AfD: „Das Rumgemache und Rumgestampfe, was alles nichts geworden ist, nutzt uns überhaupt nichts. Wir müssen unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen.“

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