https://www.faz.net/-gpf-9qpbm

Landtagswahl in Sachsen : Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss

Ein paar Meter neben Paul Ziemiak steht Gerd Weise, der CDU-Vorsitzende in Görlitz. Man sei auf einem „guten Weg“, sagt er. Er meint den Wahlkampf. Die Partei habe auf „ordnungspolitische Themen“ gesetzt, also auf Innere Sicherheit, das komme bei den Menschen gut an. Einige Wähler, die zur AfD tendierten, habe man in den vergangenen Tagen noch erreichen können, andere nicht. Wie groß die Ablehnung teilweise ist, weiß eine Görlitzer Wahlkämpferin zu berichten, die tags zuvor in einem Plattenbauviertel an zahlreichen Türen geklingelt hatte. Stramme AfD-Klientel sei das, sagt sie, es gebe kaum eine Chance, da irgendwie ins Gespräch zu kommen. Auf den Dörfern im Umkreis, sagt ein anderes Parteimitglied, sei die Lage besser, da sei die CDU immer noch eher stark. Doch die größeren Städte in der Lausitz, vor allem Görlitz und Bautzen, seien schwierig.

Auch in Bautzen ist die AfD allgegenwärtig

Bautzen liegt etwa eine halbe Autostunde westlich von Görlitz, auf halber Strecke nach Dresden. Einen Tag, bevor Paul Ziemiak in Görlitz für Kretschmer trommelt, steht der Ministerpräsident auf dem Bautzener Kornmarkt vor etwa 300 CDU-Anhängern. Er weiß, er muss viel tun, um die Leute hier zu erreichen. „Wir sind eine Oberlausitz, was ich tun kann für unsere gemeinsame Heimat, das werde ich immer tun“, ruft er den Leuten an den Biertischen entgegen. „Die Lage hier ist um ein Vielfaches besser als in Görlitz, das haben Sie sich erarbeitet.“

Auch in Bautzen ist die AfD allgegenwärtig – was kein Wunder ist, da die Partei hier nicht nur viel Zustimmung hat. Darüber hinaus kandidiert Spitzenkandidat Jörg Urban im Wahlkreis Bautzen 5 für den Landtag. Ohne die Partei beim Namen zu nennen, schimpft Kretschmer über die AfD: „Das Rumgemache und Rumgestampfe, was alles nichts geworden ist, nutzt uns überhaupt nichts. Wir müssen unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen.“ Am Morgen hat das Bundeskabinett in Berlin das Gesetz zum Strukturwandel beschlossen, das dem im Januar gefundenen Kompromiss der Kohle-Kommission entspricht. Um das politisch gewollte Ende der Braunkohleförderung in der Lausitz abzufedern, sollen in den kommenden zwei Jahrzehnten Milliarden ins Land kommen. „Das ist ein toller Erfolg, meine Damen und Herren!“, sagt Kretschmer.

Und dann kommt wieder sein Lieblingsthema, die Innere Sicherheit. Natürlich sei da in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gelaufen, man müsse schon Klartext reden, sagt Kretschmer. „Wer denkt, dass er hier einbrechen oder Autos klauen kann, der wird schnell gekascht und soll lernen, dass er das nicht in Sachsen machen soll“, ruft er und erntet Applaus.

An einem der Biertische sitzt derweil ein Mann von etwa 60 Jahren, graue kurze Haare, Oberlippenbart, kariertes Hemd. Er ist an diesem Tag aus einem Dorf in der Umgebung nach Bautzen gekommen, um den Ministerpräsidenten zu sehen „Der Kretschmer macht sich viel Mühe, die Sachsen zusammenzuhalten. Er arbeitet Positives heraus“, sagt er. Früher sei er Geschäftsführer einer Firma gewesen und wisse, wie das ist, unterschiedliche Meinungen zusammenzubringen. „Das macht Mühe, deswegen habe ich Hochachtung vor ihm.“

Der CDU wird das gleichwohl nicht viel bringen, sie wird aller Voraussicht nach an diesem Sonntag erhebliche Verluste in Kauf nehmen müssen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt die CDU aus, ebenso wie mit der Linkspartei, die auf etwa 14 Prozent kommen könnte. Die Grünen kamen den letzten Umfragen zufolge auf etwa zehn Prozent, die SPD auf knapp neun. Die Grünen zeigten sich offen für eine Koalition mit der CDU. Landesweit wurden 19 Parteien und Vereinigungen zur Wahl zugelassen, in den 60 Wahlkreisen stellen sich insgesamt 439 Kandidaten zur Wahl. Insgesamt sind im Dresdner Landtag 120 Sitze zu vergeben. Knapp 3,3 Millionen Wähler sind aufgerufen, bis 18 Uhr ihre Stimme abzugeben, viele haben sich im Vorfeld für eine Briefwahl entschieden. Bei der bislang letzten Wahl vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung in Sachsen bei weniger als 50 Prozent.

Weitere Themen

Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen Video-Seite öffnen

Kein langer Auftritt : Korruptionsprozess gegen Sarkozy unterbrochen

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy erschien am Montag kurz vor Gericht in Paris, wo er sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss. Die Richter unterbrachen die Anhörungen jedoch bis Donnerstag.

Topmeldungen

Spitzenmanagerinnen in deutschen Vorständen (v.l.n.r.): Belen Garijo (Merck), Ilka Horstmeier (BMW) und Hiltrud Werner (Volkswagen)

Geplante Frauenquote : Wer bald Frauen in den Vorstand berufen muss

Die geplante Einführung einer Frauenquote in Vorständen stößt im Wirtschaftsflügel der Union auf Protest. Fast 30 Unternehmen könnten sich derweil schon auf die Suche machen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.