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Alternative für Deutschland : Lohn für all die Lernprozesse?

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Sind wir nun etabliert? Gauland, Höcke und Petry - die Spitzenkandidaten der AfD für die drei Landtagswahlen Bild: Steffi Loos/CommonLens

In Sachsen ist die AfD mit einem eindrucksvollen Ergebnis in den Landtag gewählt worden. Nun schaut die ganze Partei hoffnungsvoll auf die kommenden Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg.

          Die Spitzenleute der AfD wurden nicht müde, die Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen als „Schicksalswahlen“ zu bezeichnen. In Sachsen hat es gewirkt, die Partei ist mit einem eindrucksvollen Ergebnis in den Landtag gewählt worden. Die AfD setzt darauf, dass das auch in Thüringen und Brandenburg gelingt, wo in zwei Wochen gewählt wird. AfD-Chef Bernd Lucke verkörpert den Gründungsimpuls der neuen Partei und ist inzwischen Europaabgeordneter. Den Lernprozessen, die jede Partei durchläuft, bis sie möglicherweise zum politischen Alltag gehört, ist er also entrückt.

          Björn Höcke, einer der zwei Sprecher des Vorstands der Thüringer AfD, spricht offen über die „Turbulenzen“, in die sein Landesverband „in der stürmischen Aufbauzeit“ geraten war. Sie seien Folge „ganz normaler gruppendynamischer Prozesse“, sagt er, wenn man mit wenig vertrauten Menschen eine Partei aufbaue. Es komme zu Missverständnissen und Konkurrenzen. Unter „polarisierenden Persönlichkeiten“ seien eben manche, „die denken, sie könnten es besser“. Die AfD trat im April 2013 in Thüringen mit einem Gründungsvorstand an, erweiterte den Vorstand auf einem Sonderparteitag im August 2014 um eine dritte Sprecherin, ohne aber die innerparteiliche Opposition zu integrieren. Diese rieb sich an Vorstandssprecher Matthias Wohlfarth, in dem sie einen „christlichen Fundamentalisten“ sah. Die Listenaufstellung sei im Februar 2014 ebenso turbulent wie basisdemokratisch verlaufen, sagt Höcke. Nach „ein paar Eskalationsdynamiken“, wie Höcke sagt, drohte der Ausschluss. Die betroffenen Mitglieder kamen dem mit ihrem Austritt zuvor. Im Juni wählte der Parteitag in Stadtroda einen neuen Vorstand.

          Auf die „Sonntagsfrage“ zu den Landtagswahlen antworteten so viele Thüringer und Brandenburger in diesem Jahr mit: „AfD“, dass diese auf vier, fünf, sechs Prozent und mehr taxiert wird. Brandenburger Spitzenkandidat für die Wahl zum Potsdamer Landtag ist der Landesvorsitzende Alexander Gauland. Er stellt für die AfD eine große Chance dar, zugleich illustriert er die Frage, wie ernst die AfD landespolitisch zu nehmen, und ob andererseits ein Landtag für Gauland die richtige Adresse sei. Der 73 Jahre alte promovierte Jurist ist kein Neuling in der Politik. Er leitete seinerzeit das Büro des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Wallmann (CDU) und diente Wallmann später als Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei. Von 1991 bis 2005 war Gauland Herausgeber und Geschäftsführer der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ in Potsdam – und Autor vieler Kolumnen (stets in anderen Blättern) und von Büchern (etwa „Anleitung zum Konservativsein“ von 2002).

          Der anglophile Gauland ist ein äußerst umgänglicher Konservativer, der auch mit Menschen reden kann und mag, die andere Ansichten als er pflegen. Keine kritische Frage an ihn als Spitzenkandidat, die er sich nach eigenen Angaben nicht schon selbst gestellt hätte. Vor allem die eine: „Warum tut er sich das an?“ 40 Jahre lang war Gauland Mitglied der CDU; am Ende fühlte er sich dort nicht mehr zu Hause. Im Wahlkampf für die AfD tritt er als der Bürger auf, lädt Journalisten nach Hause ein und lässt sich vor dem Bücherregal fotografieren, verteidigt Parteifreunde, die zuvor SED- und „Freiheit“-Mitglieder waren mit dem Hinweis, „die ewige Frage“, ob jemand in seinem Leben auch was falsch gemacht habe, sei selbst in der Politik nicht die einzig denkbare.

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