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AfD in Sachsen : Die DDR ist ein Wahlkampfschlager

  • -Aktualisiert am

AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban posiert mit zwei Anhängerinnen am 15. August vor einem Wahlkampfstand in Bautzen. Bild: dpa

In Sachsen will die AfD die Landtagswahl gewinnen – dafür bedient sie gezielt ein Zerrbild der Wirklichkeit. Ihre Wähler stört das nicht.

          5 Min.

          Das Ehepaar, beide Mitfünfziger, nähert sich zielstrebig dem Wahlwerbestand der AfD auf dem Bautzner Markt, vis-a-vis des Rathauses. „Ich wollte nur alles Gute wünschen!“, sagt der Mann und fragt besorgt: „Wird’s denn klappen?“ Es geht um das Direktmandat im Wahlkreis 56, Bautzen 5, für das sich Sachsens AfD-Vorsitzender und Spitzenkandidat Jörg Urban bewirbt. Weil er sich verspätet, hält sein Team das Volk bei Laune. Das Problem sei, dass alle anderen Schiemann wählten, erklärt einer der Wahlwerber. Marko Schiemann ist der CDU-Direktkandidat, der den Wahlkreis seit 1990 immer gewonnen hat, jetzt suggeriert die AfD, dass Linke, Grüne, SPD und FDP für diesen Werbung machten, um Urban zu verhindern. Das ist zwar längst dementiert, aber am Wahlstand kommt die vermeintliche Verschwörung gegen die AfD bestens an. „Kennen wir ja noch von früher“, sagt der Mann und winkt ab. „Ist ja wie bei der Nationalen Front.“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Als „Nationale Front“ traten in der DDR die Kandidaten aller Parteien vereint zu „Wahlen“ an, und der Vergleich mit der DDR ist für die AfD gleich ein doppelter Wahlkampfschlager. Sie nutzt den untergegangenen Staat einerseits für Nostalgie. In Bautzen ist sie mit einem jetzt AfD-blauen „QEK Aero“ vorgefahren, einem einst begehrten Wohnwagen aus dem VEB Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, Baujahr 1987. Der Wohnwagen weckt positive Erinnerungen, mehrfach fragen Passanten, ob sie das Teil erwerben könnten. Zugleich dient ihr die DDR als negative Projektionsfläche. Wenn sie über „die Zustände heute“ stöhnt, dann stets mit dem Zusatz „wie früher in der DDR“. Der Mann, dessen Frau zum Weitergehen drängelt, sagt, dass es heute keine Meinungsfreiheit gebe. Woran er das erkenne? Wer den Hitlergruß zeige, werde eingesperrt, „alles wie früher!“. Er erntet keinen Widerspruch.

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