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Sachsen-Anhalt : Ein erdbebengleicher Wahlerfolg

  • -Aktualisiert am

Nur noch weniger als sechs Prozent trennen die AfD von André Poggenburg (l.) und die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff. Bild: Daniel Pilar

In Sachsen-Anhalt zieht die AfD aus dem Stand mit einem Rekordergebnis in den Landtag ein. Spitzenkandidat André Poggenburg kündigte „starke Oppositionsarbeit“ an. Gefeiert wird jedoch ein anderer.

          Das erste Mal jubeln die AfD-Anhänger in Magdeburg, als um 18 Uhr der schwarze Balken für die CDU auf dem Bildschirm nach oben fährt und unter 30 Prozent stehen bleibt. In Umfragen hatte die Partei von Ministerpräsident Reiner Haseloff stets über 30 Prozent erhalten. Das zweite Mal brandete Jubel auf, als die Balken für SPD und Linkspartei bei 12 und 16 Prozent stehen bleiben, was ein Minus von zehn und sieben Prozent bedeutet. Als dann die Prognose 5,5 Prozent für die Grünen zeigt, lässt die Freude kurz nach, um sich dann umso mehr Bahn zu brechen, als der hellblaue Balken in bisher nicht gekannte Höhen fährt: 23 Prozent für die AfD, ein Ergebnis dass sie im Laufe des Abends noch ausbauen kann. Bereits zu diesem Zeitpunkt aber steht fest: Die AfD ist aus dem Stand zweitstärkste politische Kraft in Sachsen-Anhalt geworden und liegt lediglich noch fünf bis sechs Prozentpunkte hinter der regierenden CDU.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Ich glaube, wir werden einen denkwürdigen Abend erleben“, hatte der Moderator der Party, die in einem der trostlosen Nachwende-Zweckbauten abseits des Magdeburger Zentrums stattfand, vor der Prognose gesagt und bei der Gelegenheit auch erläutert, warum bis dahin nur so wenige Anhänger zugegen seien. Die meisten wären noch in den Wahllokalen, „um ein bisschen nachzuschauen“. Vor der Wahl hatte die AfD suggeriert, dass es bei der Stimmenauszählung nicht korrekt zugehen könnte und ihre Anhänger dazu aufgerufen, bei der Auszählung dabei zu bleiben. Wer es von ihnen bereits in den Saal geschafft hatte, bekam weiteren Grund zum Jubeln, als die AfD-Ergebnisse aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz über den Bildschirm liefen. Auch hier fuhren die Rechtspopulisten aus dem Stand klar zweistellige Ergebnisse ein.

          Dass diese Wahl in Sachsen-Anhalt anders als viele der vorangegangenen werden würde, wurde schon am Sonntagmittag deutlich, als bereits ein Viertel aller Wahlberechtigten gewählt hatte, das war der höchste Wert seit Jahren. Die große Mobilisierung dürfte vor allem der AfD geschuldet sein, dabei dümpelte die Partei noch im Sommer vergangenen Jahres auch hier um die Fünf-Prozent-Hürde. Doch mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen im Herbst stieg auch die AfD in Umfragen immer höher. Die Partei selbst hatte daraufhin 20 Prozent plus X als Ziel ausgegeben und auf ihrer Internetseite bereits konkrete Stellen für die „entstehende Landtagsfraktion“ ausgeschrieben. „Wir haben die historische Chance, eine echte deutschnationale Partei felsenfest im Parlament zu verankern!“, rief Spitzenkandidat André Poggenburg noch wenige Tage vor der Wahl bei einem Auftritt in Magdeburg. Die AfD wolle mit „erdbebengleichem Wahlerfolg in den Landtag Sachsen-Anhalts einziehen“.

          Ergebnisse

          Dieses Wahlversprechen zumindest hat sie nun gehalten. Noch am Abend kündigte Poggenburg in Magdeburg eine „starke Oppositionsarbeit“ an, allerdings wird er sich überhaupt erst einmal um eine Parteibasis kümmern müssen. Denn mit fast 30 Abgeordneten sitzt jetzt fast jedes zehnte AfD-Mitglied in Sachsen-Anhalt im Landtag, es ist ein Politikeinstieg von oben. Poggenburg, der bis Ende vergangenen Jahres einen Reparaturbetrieb für Autokühler führte und in der Vergangenheit mehrfach in Zahlungsschwierigkeiten geriet, steht am rechten Rand der AfD, er ist Mitinitiator der „Erfurter Resolution“ und ein Vertrauter des Thüringer AfD-Fraktionschefs Björn Höcke.

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