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Sachsen-Anhalt : Ein erdbebengleicher Wahlerfolg

  • -Aktualisiert am

Letzterer war am Wahlabend noch vor Poggenburg auf der AfD-Wahlparty und wurde mit „Höcke, Höcke, Höcke“-Rufen frenetisch gefeiert. „Wir haben eine neue Epoche in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik Deutschland“, rief Höcke mit der für ihn typischen Melodramatik in der Stimme. „Die Altparteien haben heute von den Wählern die gelbe Karte gekriegt“, wobei das deutsche Volk „noch gutmütig“ mit den „Kartellparteien“ gewesen sei. Politisch wertete Höcke die Wahl als Niederlage für Angela Merkel. Sie sei „die schlechteste Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik“ und habe nichts anderes als eine Rote Karte verdient. Das Publikum jubelte nun abermals, und zwar: „Merkel muss weg!“

Sitzverteilung

Höcke hatte sich im Vorfeld des Landtagswahlkampfes bemerkenswert zurückgehalten; zu oft war davor mit rassistischen oder an nationalsozialistische Zeiten erinnernden Sprüchen auf Veranstaltungen oder Demonstrationen aufgetreten. Mit dem deutlichen Ergebnis in Sachsen-Anhalt muss er sich nun abermals im Aufwind fühlen, was offenbar ganz im Sinne seiner Anhänger auf der Wahlparty in Magdeburg ist. „Mein Herz schlägt für Deutschland“, hatten sich manche auf T-Shirts und Anstecker drucken lassen. Ob sie allerdings wirklich wissen, wen sie sich da ins Parlament geholt haben, bleibt an diesem Abend offen. Die sogenannte „Neue Rechte“ um die Publizisten Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer jedenfalls warben auf der AfD-Wahlparty offen um Unterstützung und feierten das AfD-Ergebnis auch als ihren Erfolg.

Koalitionsrechner

Elsässer, der das rechtsnationalistische und verschwörungstheoretische „Compact“-Magazin herausgibt, preist auf seinem jüngsten Titel AfD-Chefin Frauke Petry als „die bessere Kanzlerin“ an; am Sonntag sendete er aus einem eigenen „Wahlstudio“ direkt von der AfD-Party. Direkt gegenüber warben Kubitscheks „Neue Rechte“ für ihre „Ein-Prozent“-Kampagne; sie wollen mit einem Prozent der Bevölkerung Widerstand organisieren und das gesellschaftliche Klima in Deutschland beeinflussen.

Wahlkreiskarte

Das ist auch ganz im Sinne von Hans-Thomas Tillschneider. Der Islamwissenschaftler von der Universität Bayreuth war bisher in der sächsischen AfD aktiv und gründete hier die als rechtsnational geltende „Patriotische Plattform“ mit. Im Sommer vergangenen Jahres zog er nach Bad-Dürrenberg im Süden Sachsen-Anhalts. Der Zuspruch für ihn und die AfD sei bereits im Herbst „enorm“ gewesen, sagt er am Sonntag. Eine „gesellschaftliche Frustration“ und natürlich „Flüchtlinge und Asyl“ seien die beherrschenden Themen dieser Wahl gewesen.

Gegen Letzteres wendet sich Tillschneider mit Vokabular, das man bisher von der NPD kannte. „Wir sind nicht verpflichtet, das Sozialamt der Welt zu spielen“, stellte er sich den Wählern vor. „In Sachsen-Anhalt gibt es genug Möglichkeiten, das Geld, das wir jetzt für illegale Einwanderer vergeuden, zum Wohle unseres Volkes zu investieren.“ Seit Sonntag sitzt auch Tillschneider im Magdeburger Landtag.

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