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Sachsen-Anhalt : AfD wird zweitstärkste Kraft

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Der AfD-Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, freut sich über das starke Abschneiden seiner Partei. Bild: dpa

In Sachsen-Anhalt erringt die AfD nach Hochrechnungen ein für die Partei überwältigendes Ergebnis. Die CDU bleibt trotz kleiner Verluste an der Spitze. Linkspartei und SPD enttäuschen.

          4 Min.

          Der Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wird bestimmt von dem zweiten Platz der AfD. Hochrechnungen zufolge landet die Partei damit sowohl vor der Linkspartei als auch vor der SPD, die nur noch knapp über zehn Prozent erreicht, nur drittstärkste Partei wird und im Vergleich zur vorigen Landtagswahl vor fünf Jahren stark verliert. Die Zukunft von Spitzenkandidatin Katrin Budde ist unklar.

          Den Spitzenplatz erreicht die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff, die allerdings auch darum fürchten muss, unter 30 Prozent zu fallen. Die Fortsetzung der schwarz-roten Koalition ist damit nicht mehr möglich. Auch eine rot-rot-grüne Koalition, die vor den Wahlen von Vertretern der drei Parteien angestrebt worden war, ist aus dem Rennen, eine Regierungsbildung extrem schwierig.

          Ergebnisse

          Dafür verantwortlich ist auch das schwache Ergebnis der Grünen, deren Einzug in den Landtag noch nicht sicher ist. Sollte sie wieder im Landtag vertreten sein, könnte sie als dritter Partner für schwarz-rot dienen, um eine Koalition zu bilden. Es gibt sogar schon Namen dafür: Die Rede ist von einer „Kenia“- oder „Afghanistan“-Koalition.

          Die FDP hat den Wiedereinzug in den Landtag in Magdeburg wohl verpasst. Nachdem sie in den ersten Prognosen noch bei fünf Prozent gelandet war, verlor sie im Laufe des Abends in den Hochrechnungen an Prozentpunkten und es sah so aus, als würde sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Eine Regierung müsste also von drei Parteien gebildet werden, es sei denn CDU und Linkspartei würden zusammenfinden, was jedoch unwahrscheinlich ist.

          Sitzverteilung

          Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich nach der Wahl vom Abschneiden der AfD betroffen gezeigt. Gleichzeitig sieht er einen klaren Auftrag zur Regierungsbildung: „Wir werden in Sachsen-Anhalt eine starke Regierung der Mitte bilden.“ Er wies darauf hin, dass in Deutschland das Spektrum für Regierungsbildungen durcheinander gekommen sei. „Wir müssen das als etablierte Parteien aufgreifen und Lösungen finden“, sagte er am Sonntag in Magdeburg. Haseloff bedauerte das starke Abschneiden der rechtspopulistischen AfD in seinem Bundesland. "Ganz klar, die AfD ist stark, und so stark wollten wir sie nicht haben, wir wollten sie gar nicht im Parlament haben", sagte Haseloff.

          Die SPD-Spitzenkandidatin Katrin Budde sprach von einem „sehr schlechten Wahlergebnis“. Die Aufgabe der Sozialdemokraten sei es nun in den nächsten Jahren das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Das wolle sie erreichen mit einer „Politik für die Bevölkerung“.

          Koalitionsrechner

          Das SPD-Vorstandsmitglied Steffen Burchhardt forderte hingegen einen kompletten Rücktritt des SPD-Vorstandes und einen Neuanfang. „Uns bleibt gar nichts anderes übrig“, sagte der Landrat des Jerichower Landes am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Mit Landeschefin Katrin Budde an der Spitze sei ein Neuanfang nicht möglich. Der Vorstand will am Montag zusammenkommen. Dagegen sagte der SPD-Landtagskandidat Falko Grube: „Ich rate allen, erstmal eine Nacht darüber zu schlafen.“

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