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Wahlkampf in Rheinland-Pfalz : Klöckner-Tweet zu AfD sorgt für Spott

Unter Druck: CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner Bild: dpa

Die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner warnt auf Twitter vor der Wahl der AfD, weil das das linke Lager stärke. Der Spott ist daraufhin groß – nicht nur bei der SPD.

          Es wird immer enger für Julia Klöckner: Kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, bei der sie lange als Favoritin galt, hat die SPD in den Umfragen nicht nur zur CDU aufgeschlossen, in der jüngsten Erhebung liegt sie sogar leicht vorn. Die CDU-Spitzenkandidatin steht immens unter Druck: Links wird die SPD von Malu Dreyer wieder stärker, die am Ende doch noch Ministerpräsidentin bleiben könnte, rechts drängt die AfD, die gute Chancen hat, künftig die drittstärkste Kraft im Mainzer Landtag zu sein.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Offenbar unter dem Eindruck dieser Zangenbewegung ging Klöckner am Donnerstag mit einer Wahlwarnung in die Offensive. „Wer AfD aus Protest wählt, stärkt am Ende das linke Lager“, schrieb sie im Kurznachrichtendienst Twitter und löste damit heftige Reaktionen im Netz aus.

          Vor allem in der SPD reagierten naturgemäß viele mit Spott. „Und wer @JuliaKlöckner wählt, stärkt das rechte Lager“, twitterte die rheinland-pfälzische SPD, der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner bezeichnete Klöckners Tweet als „Krude Logik einer Partei im Panikmodus“. Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch schrieb auf Twitter: „Da muss man erst mal drauf kommen: wer AfD wählt, stärkt die Linken!“

          Seither macht Klöckners Äußerung nicht nur beim politischen Gegner die Runde. Unter dem Hashtag #twitternwieklöckner machen sich unzählige Internetnutzer über den Tweet lustig, auf der Blogger-Plattform tumblr erschien noch am Donnerstag eine Seite mit dem Titel „Die Methode Klöckner“. Darunter finden sich Sprechblasen wie „Wer viel Plastik nutzt, fördert den Umweltschutz“ oder „Wer für Kinder bremst, stärkt am Ende die Raser.“

          Auch die ZDF-Satiresendung „heute-show“ fragte Klöckner am Donnerstag ironisch: „Finden Sie mit so einer schweren Rechts-Links-Schwäche das Wahlokal“? Die Satire-Kollegen der NDR-Sendung „extra3“ twitterten: „Richtig wählen nach der Klöckner Methode: Sie wollen das rechte Lager stärken? Dann wählen Sie aus Protest die LINKE.“

          Das Klöckner-Lager wurde von der Welle aus dem Netz offenbar so überrascht, dass es sich wenig später genötigt sah, den Tweet noch einmal zu erklären. „Wer AfD wählt, weil ihm angebl. CDU-Politik nicht mehr gefällt, hilft SPD in RLP an der Macht zu bleiben. Mit der AfD wird keiner koalieren“, twitterte Klöckner.

          Ein CDU-Sprecher sagte am Donnerstag, die Reaktionen im Netz könnten den ursprünglichen Gedanken nicht widerlegen. Da die Stimmen für die AfD vermutlich aus dem bürgerlichen Lager kämen, erschwere ein hohes Wahlergebnis der AfD den von der CDU angestrebten Politikwechsel.

          Julia Klöckner ist die kleine Welle im Netz möglicherweise sogar ganz lieb. Drei Tage vor der Landtagswahl dürfte ihr jede aufmerksamkeitssteigernde Maßnahme sehr gelegen kommen.

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