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Wahl in Rheinland-Pfalz : Warum es eng für Klöckner wird

  • -Aktualisiert am

Immer schön lächeln I: Julia Klöckner beim Straßenwahlkampf im Mainzer Stadtteil Gonsenheim Bild: Marcus Kaufhold

Eigentlich hat Julia Klöckner alles, um in Rheinland-Pfalz beliebt zu sein. Trotzdem machen ihr die rot-grünen Angriffe bisweilen zu schaffen – selbst wenn sie manchmal ungerecht sind.

          Die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner hat eigentlich alle Eigenschaften, um von den Leuten in ihrem Land geliebt zu werden. Sie wuchs auf einem Weingut auf, konnte schon mit 14 Jahren Trecker fahren. Sie ist konservativ, ohne altbacken zu sein. Im Umgang mit anderen Leuten ist sie – je nachdem – frei von Scheu oder Dünkel. Sie ist witzig, vielseitig interessiert, Menschen können sich an ihrer Seite um Jahre verjüngt vorkommen. Außerdem hat sie in der Fremde, als deutsche Weinkönigin und später als Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin, ihrer Heimat Ehre gemacht, um dann wieder nach Hause zurückzukehren.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Man kann tatsächlich nicht sagen, dass Klöckner in Rheinland-Pfalz unbeliebt wäre. In der CDU sind sie froh, im Unterschied zum vergangenen Jahrzehnt wieder ein wirkliches Zugpferd als Partei- und Fraktionsvorsitzende zu haben. Auch beim Wähler hatte Klöckner Erfolg: 2005 gewann sie den Bundestagswahlkreis Bad Kreuznach erstmals seit 1953 wieder direkt für die CDU. Im Dezember 2010 wurde sie mit fast hundert Prozent zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl bestimmt, ein paar Monate später fehlte ihr am Wahlabend lediglich ein halber Prozentpunkt zur SPD von Ministerpräsident Kurt Beck.

          Was ist seither passiert?

          Gegenwärtig liegt ihre Partei in etwa gleich auf mit der SPD. 36 zu 34 Prozent lauten die Zahlen von Infratest dimap, 35 zu 34 die der Forschungsgruppe Wahlen, 35 zu 35 die von Insa. Klöckner kann aus der Landtagswahl am Sonntag ohne weiteres als Siegerin hervorgehen – sie kann. Vor einigen Wochen sah sie allerdings noch wie die sichere Siegerin aus. Was ist seither passiert?

          Diese Frage lässt sich zu einem Gutteil beantworten mit dem Erstarken der AfD und dem Rumoren in der gesamten CDU angesichts von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Es drängt sich aber noch eine andere Frage auf: Warum würde Amtsinhaberin Malu Dreyer (SPD) eine Direktwahl gegen Julia Klöckner mit 50 zu 35 (Forschungsgruppe) beziehungsweise 50 zu 31 Prozent (Infratest) klar für sich entscheiden? Bei der CDU erklären sie das mit dem Amtsbonus – die Werte vor fünf Jahren, als Beck und Klöckner gegeneinander antraten, waren tatsächlich fast deckungsgleich. Aber man konnte sich eben auch schon damals fragen: Warum ist gerade diese CDU-Kandidatin nicht noch beliebter?

          In den seltenen Momenten, in denen Klöckner die Kontrolle über sich selbst entgleitet, hat man den Eindruck, dass sie sich das auch fragt, dass die Frage sie sogar ein bisschen quält: Mitte Oktober machte sie mit Journalisten eine Busreise durchs Land. Die CDU stand damals bei 43 Prozent, die SPD bei 31. Es war ein schöner Tag, an dem sich alle Widersprüche aufzulösen schienen: Klöckner wurde gelobt vom früheren CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, der zwischendurch zur Reisegruppe stieß – und sie redete in seiner Gegenwart von seinem einstigen Erzfeind Helmut Kohl, ohne dass es Geißler störte. Nur einmal zeigte sich, wie dünn der Firnis der Zuversicht war, als ein Fernsehjournalist Klöckner nach der Diskrepanz fragte zwischen den ausgezeichneten Umfrageergebnissen für die CDU und den nicht ganz so ausgezeichneten für die Spitzenkandidatin.

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