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Wahl in Rheinland-Pfalz : Bis zur letzten Stunde

Dass Schröder am Ende trotzdem nicht mehr Kanzler war, auch daran wollen sie in der SPD kurz vor der Wahl nicht denken; schon gar nicht Malu Dreyer, die gerade einem Mann erfolglos eine Rose andrehen will, auch wenn er sich als Anhänger zu erkennen gibt. „Ich bin einer der wenigen Polizisten, die Sie wählen", sagt er dann und zuckt etwas hilflos mit den Schultern. „Na, da gibt es schon noch ein paar mehr“, gibt Dreyer zurück und lächelt. Außerdem habe sie in ihrer Amtszeit doch viel für die Polizei im Land getan. Aber das hört der Mann kaum noch. Sie werde weiterkämpfen, sagt Dreyer noch, als sie weiter geht. „Bis zum letzten Tag.“

Oder bis zur letzten Stunde. So jedenfalls macht es die CDU, die nach dem Termin in Kaiserslautern weiter nach Worms zieht: Kneipenwahlkampf. Auch Klöckners Leute haben ausgefeilte psychologische Techniken entwickelt, um hoffnungsfroh in die heutige Wahlentscheidung zu gehen. Es gebe so viele Briefwähler wie nie, sagt etwa Generalsekretär Patrick Schnieder, der auch mit nach Kaiserslautern gekommen ist. Das heißt: Viele könnten schon Anfang Februar abgestimmt haben, als von einem „Swing“ noch nicht allzu viel zu merken war. Auch der Verlauf der jüngsten Tage ermutigt die CDU. Die Beliebtheitswerte von Merkel seien wieder gestiegen, das Flüchtlingsthema sei in den Hintergrund gerückt.

Das hat sich auch am Donnerstagabend bei der „Elefantenrunde“ im SWR gezeigt. Anders als beim TV-Duell der Spitzenkandidatinnen spielten nun Themen wie Infrastruktur oder Bildung die Hauptrolle. Selbst die ungewisse Zukunft des Flughafens Frankfurt-Hahn wurde thematisiert. An dem Abend gelang es vor allem den Spitzenkandidaten der FDP und der Linken durch prägnante Beiträge auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch Klöckner ging mit Blick auf die SPD als Punktsiegerin aus der Runde. Die Sozialdemokraten hatten anstelle von Dreyer Lewentz geschickt, weil die Ministerpräsidentin mit einem Vertreter der AfD nicht debattieren wollte. Wenn das ein Schachzug sein sollte, dann ist er eher nicht aufgegangen.

Die Runde am Donnerstag zeigte außerdem: Die Grünen sind völlig verunsichert und müssen ums parlamentarische Überleben kämpfen. Und: Potentielle AfD-Wähler dürften nicht dadurch zur Umkehr bewegt werden, dass sich Moderatoren und die etablierten Parteien auf die Partei einschießen. Beides ist vor allem für die CDU von Belang: Die meisten Prozentpunkte, die sie zuletzt verloren hat, sind wohl auf das Konto der AfD gegangen. Und sollte Klöckner nicht als Stärkste aus der Wahl hervor gehen, wird sie sehr viel tun, um die Grünen in ein Jamaika-Bündnis zu locken. Dafür müssen die aber in den Landtag kommen.

Der Nachmittag in Mainz endet in einer Eisdiele, wo Klöckner sich mit ihren Helfern und lokalen CDU-Politikern stärkt.  Auch sie verströmt Zuversicht. Bei ihr würden sogar Bäckereien anrufen und sagen: „Morgen um neun Uhr ist bei uns die Schlange am längsten, wollen Sie nicht kommen, um noch Werbung zu machen?“

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