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TV-Duell Rheinland-Pfalz : Dreyer gibt gegen Klöckner die Landesmutter

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Dreyers demonstrative Kompetenz

Klöckner hatte manches Argument auf ihrer Seite, etwa, dass die rot-grüne Landesregierung das Ausmaß der Flüchtlingskrise erst unterschätzt und bei der Bewältigung auch den einen oder anderen Fehler gemacht hat. Die CDU-Landeschefin neigt allerdings dazu, zwar andeutungsreich, aber etwas ungenau zu formulieren. Dem versuchte Dreyer demonstrative Kompetenz entgegenzusetzen. „Als Juristin“ wisse sie, dass seit dem Jahr 2005 im Ausländergesetz stehe, dass Einwanderer zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichtet seien und dass eine Nichtteilnahme sanktioniert werden könne.

Ein Integrationspflichtgesetz, wie Klöckner es fordert, sei damit gar nicht nötig. Das mag sein, erklärt aber nicht den Furor, mit dem Rot-Grün Klöckners Vorschlag wochenlang verdammte. Inzwischen hat sich übrigens sogar Sigmar Gabriel für eine Integrationspflicht ausgesprochen – aber von ihrem Parteichef wollte Dreyer an diesem Abend ja möglichst wenig wissen.

Insgesamt wurden beim Thema Integration altbekannte Haltungen ausgetauscht. Klöckner unterstrich eher die Schwierigkeiten und warnte davor, etwa im Umgang mit Kindern oder zwischen Mann und Frau von deutschen Wertvorstellungen abzurücken. Dreyer antwortete: „Leben Sie eigentlich hier in Rheinland-Pfalz? Wir haben einen so ausgezeichneten interreligiösen Dialog.“ Imame gäben Frauen hier in der Regel die Hand, sie kenne keine Menschen, die sich „angeblich weigern, irgendwelches Essen anzunehmen“. An diesem Punkt könnte die Mehrheit der Fernsehzuschauer eher bei Klöckner gewesen sein.

Flüchtlingskrise steht über allem

Nachdem zum Umgang mit der AfD keine Neuigkeiten zutage gekommen waren, blieben noch gut 15 Minuten für die Themen Wirtschaft und Infrastruktur sowie Bildung und Soziales. Insbesondere beim Thema Infrastruktur konnte Dreyer den Eindruck nicht so recht zerstreuen, dass man das Thema zu lange hat schleifen lassen und erst jetzt, zum Wahlkampf, mehr Geld locker gemacht wird. Aber wahlentscheidend dürfte das nicht sein.

Es wird am 13. März vor allem um die Flüchtlingskrise gehen und um die Frage, welcher der beiden Frauen die Bürger eher zutrauen, dass sie das Bundesland sicher in die Zukunft bringen werden.

Deswegen war auch das Schlussstatement, bei dem die Kandidatinnen 90 Sekunden direkt zu den Bürgern sprachen, noch mal wichtig. Von Klöckner war es der stärkste Part, sie fasste ihre inhaltlichen Anliegen pointiert zusammen und endete damit, dass es nach 25 Jahren SPD-Herrschaft endlich Zeit für einen Neuanfang sei. Dreyer schlüpfte in die Rolle einer Entertainerin, die gar nicht bei der Debatte dabei war: „Liebe Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen, sie haben eine Premiere miterlebt – das erste Fernsehduell mit zwei Frauen. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.“ Klöckner war da einen Tick besser – es reichte aber nicht mehr ganz, um Dreyers Vorsprung aus dem ersten Teil wettzumachen.

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