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Landtagswahlen Rheinland-Pfalz : Erst feiern, dann Gedanken über Ampel machen

Lange Zeit lag Manu Dreyer und ihre SPD viele Prozentpunkte hinter der CDU. Nun stellen die Sozialdemokraten doch die stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz. Bild: Frank Röth

In Rheinland-Pfalz hat die SPD ihren Wahlkampf auf Malu Dreyer konzentriert. Das hat funktioniert. Derweil rätselt die CDU noch, was schiefgelaufen ist.

          Als um 18 Uhr der rote Balken der SPD auf dem Bildschirm auftaucht, bricht bei den Genossen so großer Jubel los, dass der Rest der Übertragung im Applaus untergeht. Bei bis zu 37,5 Prozent sehen die Nachwahlbefragungen die SPD; ein Erfolg an den noch vor wenigen Wochen niemand bei der SPD geglaubt hätte. „Das ist so geil, das gibt es doch nicht“, entfährt es einem Genossen im Fraktionssaal des Landtagsgebäudes, in dem Parteivertreter und Journalisten wie die Ölsardinen nebeneinander stehen. „Jetzt brauche ich einen Schnaps.“ Als die Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin Malu Dreyer wenig später vor dem Landtag ankommt, hört man den Jubel durch das ganze Landtagsgebäude schallen. Die SPD, sie hat eine neue Heldin. „Sie hat das Unmögliche geschafft“, sagt einer, bevor er sich auf so viel Glück erst mal ein Bier holt.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Die SPD ist mit großem Abstand die stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz geworden, die CDU, die vor wenigen Wochen noch zweistellig vorne lag, kommt nur auf rund 33 Prozent der Stimmen – damit kann Dreyer aller Wahrscheinlichkeit nach in Mainz weiterregieren. Zwar ist die rot-grüne Regierungsmehrheit Geschichte, weil die Grünen nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde landen und am Abend noch nicht sicher ist, ob sie wirklich in den Landtag einziehen wird. Aber Dreyer kann wohl entweder eine große Koalition anführen oder das Wagnis einer Ampel-Koalition versuchen, sollten die Grünen im Landtag bleiben.

          Denn die FDP hat den Einzug in den Landtag nach den Hochrechnungen mit mehr als sechs Prozent sicher geschafft. Wer für diesen großen Tag der SPD verantwortlich ist, den vielleicht größten in der Geschichte der Landespartei, steht an diesem Abend bei den Genossen außer Frage. „Das ist ein überwältigender persönlicher Erfolg für Malu Dreyer“, findet Günter Kern, Staatssekretär im Innenministerium. Dreyer sei im Wahlkampf „viel authentischer“ aufgetreten als ihre Konkurrentin Julia Klöckner.

          SPD setzt auf Beliebtheit von Dreyer - und gewinnt

          Schon in den letzten Wochen hatte sich angedeutet, dass die Strategie der SPD, im Endspurt des Wahlkampfes auf eine Zweitstimmenkampagne, vor allem aber auf einen Personenwahlkampf mit der im Land sehr beliebten Ministerpräsidentin Dreyer zu setzen, aufgehen könnte. Die hohe Wahlbeteiligung am Sonntag, die schon um 14 Uhr bei 56 Prozent und damit deutlich höher als vor fünf Jahren gelegen hatte, hat nach Lesart der Genossen einen weiteren Teil zum Erfolg der SPD beigetragen. In der SPD wurde sie als Zeichen der erfolgreichen Mobilisierung gewertet, weil viele SPD-Wähler die Chance erkannt hätten, die sich gegen die lange vermeintlich kaum zu schlagende CDU-Herausforderin Julia Klöckner doch noch geboten habe. „Die Menschen haben verstanden, dass es um die Wurst geht“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Dieter Klöckner am Abend, zudem habe es keine Wechselstimmung im Land gegeben.

          Auch der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende und Wirtschaftsminister Hering glaubt, dass es vor allem die persönliche Beliebtheit von Dreyer gewesen ist, die die SPD am Ende nach vorne gebracht hat. Wer Dreyer als Ministerpräsidentin behalten wolle, müsse SPD wählen – mit diesem Slogan war die Partei in die letzten Wochen des Wahlkampfs gegangen. Diese Taktik scheint aufgegangen zu sein.Doch der Wahlerfolg wurde in der SPD am Sonntag nicht nur als großer persönlicher Erfolg Malu Dreyers, sondern auch als Schwäche Julia Klöckners gewertet. Dass auch Klöckner im Land durchaus beliebt ist und sich auf den Nah-Wahlkampf bei den Bürgern versteht, wird auch in der SPD konzediert.

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