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Landtagswahl in Rheinland-Pfalz : Kein Sieg und keine Niederlage

  • -Aktualisiert am

Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck: „Dass ich mir ein besseres Ergebnis gewünscht hätte, ist gar keine Frage.” Bild: dapd

Die SPD hatte in Rheinland-Pfalz mit Verlusten gerechnet - so kam es. Doch die erstarkten Grünen stehen bereit, derweil sich Julia Klöckner von ihrer CDU feiern lässt. Die FDP trauert.

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          Kurz nach halb sieben betritt Julia Klöckner den überfüllten Fraktionssaal der CDU im dritten Stock des Abgeordnetenhauses. Die weißen Stehtische sind mit orangefarbenen Schleifen geschmückt. Unter den CDU-Anhängern, von denen viele junge Männer in dunklen Anzügen sind, bricht frenetischer Jubel beim Anblick ihrer Kandidatin aus, der in minutenlanges Klatschen übergeht. „Julia, Julia“-Sprechchöre ertönen. Oben auf der kleinen Bühne hat die CDU-Spitzenkandidatin neben dem Noch-Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf auch Bundesprominenz um sich geschart.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Ihre schwangere Freundin Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin, strahlt mit Julia Klöckner um die Wette. Die Spitzenkandidatin hat mit einem dunkelblauen Blazer für diesen Abend ein staatstragendes Outfit gewählt. „Das ist ein Moment, da kriegt man Gänsehaut. Da ist man gerührt. Die CDU in Rheinland-Pfalz, die ist wieder da“, ruft Julia Klöckner und der Jubel will gar nicht aufhören.

          Für die Leute hier im Saal ist die 38 Jahre alte Bundestagsabgeordnete aus Bad Kreuznach sozusagen die Ministerpräsidentin der Herzen, auch wenn die Partei womöglich das zweit- oder drittschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren hat. Doch an diesem Abend zählt hier eine andere Rechnung. Nicht die zwei oder eineinhalb Prozentpunkte mehr als das Wahlresultat von 2006 unter Christoph Böhr sind der Maßstab für die Glücksgefühle der CDU-Anhänger, sondern die massiven Verluste von fast zehn Prozentpunkten für die SPD von Ministerpräsident Kurt Beck.

          CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner freut sich in Mainz nach den ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl.

          Endlich fühlt man sich hier wieder auf Augenhöhe, auch wenn weitere fünf lange Jahre in der Opposition bevorstehen. „Die CDU Rheinland-Pfalz als Hoffnungsträger der Union. Wer hätte das gedacht?,“ kommentiert ein Gast spöttisch die Stimmung im Saal. Ausgerechnet der über fast zwei Jahrzehnte zerstrittene Landesverband, der noch Ende 2010 einen Parteispendenskandal und ein Millionen-Bußgeld verkraften musste, liefert die guten Nachrichten für das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

          „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“

          Ein Stockwerk unter der CDU, im Fraktionssaal der SPD, ist die Stimmung vor den ersten Prognosen bei ARD und ZDF noch in fröhlicher Erwartung eines komfortablen Vorsprungs vor der CDU. Als dann das Ergebnis von knapp 36 Prozent über die Bildschirme flimmert, geht ein enttäuschtes Raunen durch den Saal. Erst als die zweite, schwarze Säule mit der CDU-Prognose erscheint, gibt es erleichterten Applaus vor allem in den ersten Reihen, wo die Funktionäre und Mandatsträger stehen. Hauptsache, stärkste Partei mit dem Auftrag zu Regierungsbildung und Koalitionsgesprächen, ist hier die Stimmungslage. „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“, sagt ein Genosse und lacht.

          Ganz in rot, im eleganten Kostüm hatte SPD-Generalsekretärin Heike Raab schon vor Schließung der Wahllokale ein optisches Siegessignal gesetzt. „Nach allem was wir wissen, liegen wir vorne.“ Ein Ergebnis von 38 bis 39 Prozent hatten die Wahlforscher der SPD-Spitze am späten Nachmittag signalisiert. Der Verlust der ohnehin überraschenden absoluten Mehrheit von 45,6 Prozent vor fünf Jahren war schon vor Monaten erwartet worden.

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