https://www.faz.net/-gpf-y6l2

Julia Klöckner : Ein Mainzer Kabinett im Schatten

  • -Aktualisiert am

CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner mit zwei Mitgliedern ihres Kompetenzteams: Christian Baldauf (l) und Klaus Bernhard Hofmann (r) Bild: dpa

Seit dieser Woche ist Julia Klöckners Kompetenzteam aus sieben Mitgliedern nach vier Pressekonferenzen vollständig. Um auch wirklich bekannte Politiker für sich werben zu lassen, hat die CDU-Bundestagsabgeordnete ein prominentes Berater-Trio vereint.

          2 Min.

          Um die Spannung zu erhöhen, sagt eine Regel politischer PR-Berater, sollten Herausforderer im Wahlkampf ihr Schattenkabinett nur scheibchenweise vorstellen. Daran hielt sich in Rheinland-Pfalz auch die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Die gelernte Journalistin vermied auch den düsteren Begriff „Schattenkabinett“ und sprach lieber wie einst Edmund Stoiber von ihrem „Kompetenzteam“ oder nannte es wie eine richtige Chefin nur „Klöckner-Team“. Seit dieser Woche ist dieses Team aus sieben Mitgliedern nach vier Pressekonferenzen in Mainz vollständig.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Als letzten Aspiranten für einen Kabinettsposten im Falle des Regierungswechsels am 27. März stellte Frau Klöckner nun Bernhard Hofmann vor – als Kandidat für das Wirtschaftsressort. Der 51 Jahre alte Sprecher des Mainzer Unternehmens Schott soll als „ausgewiesener Wirtschaftsexperte“ zudem die Themenfelder Technologie, Umwelt und Energie abdecken. Vor seinem Wechsel zu Schott war Hofmann Referatsleiter im thüringischen Wirtschaftsministerium und Mitarbeiter der EU-Kommission in Brüssel. Grund genug für die Spitzenkandidatin, von einer „Idealbesetzung“ zu schwärmen. Doch das überschwängliche Lob verdeckt den Umstand, dass sich kein bundesweit bekannter Name mit Regierungserfahrung im „Klöckner-Team“ findet.

          Ein prominentes Berater-Trio

          Für das Themenpaket „Demografischer Wandel, Stadtentwicklung, Integration, Gesundheit und Soziales“ hat Julia Klöckner Eva Lohse gewonnen, Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen. Die 55 Jahre alte Kommunalpolitikerin – wie alle Mitglieder des „Klöckner-Teams“ ist auch sie Mitglied der CDU – machte bei der Vorstellungsrunde indes deutlich, dass sie ihren Platz weiter im Rathaus sieht. In der auch unter regionalen Aspekten getroffenen Personalauswahl vertritt Günther Schartz den Landesteil zwischen Mosel und Eifel.

          Der 48 Jahre alte Landrat des Kreises Trier-Saarburg soll die Aufgaben „Kommunale Entwicklung, Ländlicher Raum, Verkehr und Europa“ übernehmen. Als Fachfrau für Justiz und Inneres hat sich Frau Klöckner die 54 Jahre alte Bingener Oberbürgermeisterin und Juristin Birgit Collin-Langen an ihre Seite geholt. Frau Klöckners Mann für den Haushalt ist der Stadtkämmerer von Essen, Lars Martin Klieve. Der 40 Jahre alte Bankkaufmann habe als „Sanierer mit Herz“ erst Gelsenkirchen entschuldet und konsolidiere jetzt Essen. Sowohl Klieve als auch Frau Collin-Lange halten sich für ministrabel. Als Minister in spe hält sich auch Andreas Rödder bereit. Der 43 Jahre alte Professor für Neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz soll Frau Klöckners „Kernthema“, die Bildungspolitik, offensiv vertreten.

          Der Historiker verdankt seinen Aufstieg aus kleinen Verhältnissen zum Universitätsprofessor nach eigenen Worten vor allem den Bildungsreformen der früheren CDU-Kultusminister Bernhard Vogel und Hanna-Renata Laurien. Die freie Postenwahl hat nach eigener Darstellung Christian Baldauf als Frau Klöckners Teamspieler Nummer Eins. Der 43 Jahre alte CDU-Fraktionsvorsitzende aus Frankenthal hatte Ende 2009 überraschend auf die Spitzenkandidatur verzichtet. Als „engster Berater“ Frau Klöckners und „Generalist“ dürfte er sich zur Belohnung nun offenbar nach einer Ablösung von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck seinen Lieblingsposten aussuchen. Allein: Keine Umfrage deutet bislang einen Machtwechsel an.

          Um auch wirklich bekannte Politiker für sich werben zu lassen, hat die CDU-Bundestagsabgeordnete ein prominentes Berater-Trio vereint. Besonders aktiv tritt dabei Heiner Geißler auf. Der 80 Jahre alte frühere CDU-Generalsekretär und „Stuttgart-21-Schlichter“ entwickelte für die Spitzenkandidatin ein Konzept der Bürgerbeteiligung bei Großprojekten. Als Integrationsfachmann steht Armin Laschet bereit, einst Integrationsminister in Düsseldorf. Konservative und wirtschaftsnahe Stammwähler soll die Berufung des früheren Vorsitzenden der Unions-Bundestagsfraktion Friedrich Merz zu einer Art „Super-Berater“ für Wirtschaft und Finanzen mobilisieren. Aussagen zur Wirtschaftspolitik in Rheinland-Pfalz vermied Merz bisher. Auf einem CDU-Wirtschaftskongress in Bad Kreuznach referierte der Anwalt lieber über China.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sorgt für diplomatischen Streit: Meng Wanzhou im August in Vancouver

          Spannungen mit Kanada : Huawei-Managerin Meng wieder auf freien Fuß

          Ihr Fall hat zu großen Spannungen zwischen Kanada und China geführt. Nun erzielte die Huawei-Managerin Meng Wanzhou eine Einigung mit der US-Justiz und kann in ihre Heimat zurückkehren. Auch zwei in China inhaftierte Kanadier sind auf dem Heimweg.
          Protest gegen die PiS vor dem Verfassungsgericht in Warschau am 31. August

          Polen und die EU : Die wachsende Gefahr des Polexits

          Die nationalkonservative PiS-Regierung will Polen wohl nicht aus der EU führen. Aber sie nimmt das Risiko mutwillig in Kauf, weil sie ihre Macht über das Wohl des Landes stellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.