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Wahl in Österreich : Der blaue Schönheitsfehler

Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer könnten bald Konkurrenten um die Führung der FPÖ werden. Bild: Reuters

Die Wahl in Österreich zeigt, dass die rechstpopulistische FPÖ über einen treuen Wählerstamm verfügt. Doch die Niederlage könnte für die Partei unangenehme Konsequenzen haben.

          Am Tag nach seiner Wahl ist Alexander Van der Bellen abgetaucht. Keine Ansprache, keine Pressekonferenz, nicht einmal eine Pose für ein Bild. Dabei ging es nicht so sehr ums von ihm gewünschte „Durchschnaufen“. Sondern schlicht ums Abwarten auf das tatsächliche Endergebnis. Also darauf, dass auch die letzten Briefwahlstimmen ausgezählt waren. Und das Auszählen, sogar das Aufschlitzen der Umschläge, begann diesmal nicht eine Minute vor der gesetzlich vorgesehenen Zeit, Montag, neun Uhr. Vor Dienstag will Van der Bellen sich nicht blicken lassen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Trotzdem hat niemand einen Zweifel am Sieg des früheren Grünen-Vorsitzenden. Eher wurde damit gerechnet, dass das vorläufige Ergebnis vom Sonntagabend, das nur die im Wahllokal abgegebenen Stimmen berücksichtigt, noch auf mehr als 53 Prozent ausgebaut wird. Die FPÖ hatte schon am Wahlabend klargemacht, dass sie diese Wahl nicht auch anfechten werde. „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ lautet das Motto, unter dem ihr Parteivorsitzender Heinz-Christian Strache und ihr letztlich doch klar unterlegener Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer auftreten wollen.

          So schlug zunächst die Stunde der Gratulanten – und der Ergebnisdeuter. Glückwünsche richteten unter anderen Bundeskanzler Christian Kern und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner aus. Sie sind auch die Parteivorsitzenden der sozialdemokratischen SPÖ und der christlich-demokratischen ÖVP, deren Kandidaten im ersten Wahlgang im April weit abgeschlagen ausgeschieden sind. „Herzlich“ gratulierten der frühere Bundespräsident Heinz Fischer, seit Mai im Ruhestand, und Irmgard Griss, die unabhängige Kandidatin, die im ersten Wahlgang nur knapp hinter Van der Bellen auf den dritten Platz verwiesen worden war. Sie alle hatten sich im Laufe der vergangenen zwei Wochen mehr oder weniger offiziell für Van der Bellen starkgemacht.

          Hofer will es noch einmal versuchen

          Dass das Signal an denjenigen Wählern, die im ersten Wahlgang noch anders gestimmt hatten, nicht vorbeigegangen ist, zeigen die Analysen zur Wählerwanderung. Laut dem Institut Sora gewann Van der Bellen drei von vier Griss-Wählern, sieben von zehn Wählern des SPÖ-Kandidaten und sechs von zehn Wählern des ÖVP-Mannes. Ein Drittel der ÖVP-Wähler aber stimmte für Hofer (die übrigen blieben der Wahl fern). Die FPÖ versuchte noch am Wahlabend, den Keil in der ÖVP tiefer zu treiben, was vielleicht auch ein wenig als Ablenkung gedacht war. Hofer bezeichnete sich selbst als „Bären“, der geweckt worden sei. Wahlentscheidend zu seinen Lasten sei Mitterlehners Stellungnahme für Van der Bellen gewesen, deutete er an. Hofer sprach von einem „Selbstmordattentat des Herrn Mitterlehner“. Damit wollte er wohl andeuten, dass eine Mehrzahl der „Schwarzen“ eigentlich anders denke.

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