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SPD-Debakel in NRW : Drei zu null für Merkel

  • -Aktualisiert am
Kanzlerkandidat in der Bredouille: Martin Schulz (SPD)

In ländlichen Regionen ist Merkel am häufigsten aufgetreten. Waldbröl oder Höxter oder Beverungen in Ostwestfalen. Nicht aber Köln, Düsseldorf, Essen oder auch Bielefeld. Die Konzeption: In den kleinen Städten ist die CDU stark. Das Wichtigste ist es im Wahlkampf, die eigenen Anhänger zu mobilisieren. Die Wahlkampfmanager glauben nun, die Rechnung sei aufgegangen. Im Adenauer-Haus schwärmen CDU-Politiker aus, die frohen Botschaften zu verkünden. Kramp-Karrenbauer spricht von der Wechselstimmung, die in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein geherrscht habe. Peter Altmaier, Merkels Kanzleramtsminister, läuft strahlend umher. Sie preisen die Geschlossenheit der CDU.

Eine deutliche Mahnung

Auch der CDU-Wirtschaftsrat, der parteiintern hin und wieder gegen den Stachel löckt, ist froh. Nun würdigt sein Generalsekretär Wolfgang Steiger die „konturenscharfe Positionierung“ der CDU in der Wirtschafts- und in der Innenpolitik. Doch auch eine Warnung hat er auch parat: „Das Abebben des Schulz-Hypes ist auch für die CDU eine deutliche Mahnung. Hochstimmungen können trügen und zu Fehlentscheidungen führen.“ Schöner hätte es Merkel auch nicht sagen können.

In seinem Wahlkampf hatte Laschet immer wieder eine Geschichte über die Autobahnbrücke von Leverkusen erzählt. Lastkraftwagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht dürften sie nicht mehr passieren – wegen der Panzerung also auch nicht der Dienstwagen Krafts. Die Leute lachten. Sie sollten nicht lachen, hat Laschet dann immer gerufen. In Kürze wolle er selbst diesen Wagen benutzen. Dann lachten die Leute noch einmal, erzählte Laschet strahlend – vor einer Woche, nach dem schönen CDU-Ergebnis von Schleswig-Holstein. Laschet weiß nun: Der Dienstwagen gehört bald ihm.

Martin Schulz versagt die Stimme. Es ist nicht so, als ringe er um Fassung. Er muss sich nur kurz räuspern. Der SPD-Vorsitzende steht wenige Sekunden, nachdem Kraft in Düsseldorf den sofortigen Rücktritt von allen Parteiämtern verkündet hatte, auf der Bühne des Atriums im Berliner Willy-Brandt-Haus. Um ihn herum stehen die Vertreter der Parteiführung mit den gleichen versteinerten Gesichtern wie vor einer Woche, nach der Niederlage in Kiel.

Schulz hat inzwischen eine gewisse Routine darin, von einem „schweren Tag“ zu sprechen und dem Herausforderer zu gratulieren. Diesmal fügt Schulz noch hinzu, es sei eine „krachende Niederlage“ – und der Tag sei für ihn besonders schwer, da es sich um sein Heimatbundesland handle. Kraft hat im Moment der Niederlage nicht nur umgehend die Konsequenzen gezogen, sondern auch sofort Schulz aus der Schusslinie nehmen wollen: Im Wahlkampf sei es „fast ausschließlich“ um landespolitische Themen gegangen. Und: Sie habe auch darum gebeten. Schulz kann nun diesen Ball aufnehmen: Bisher sei es um Landtagswahlen gegangen. Nun gehe es um den Bundestag.

„Wir müssen unser Profil schärfen“

Dass er sich nicht gänzlich aus der Verantwortung ziehen kann, weiß er freilich. So fügt er hinzu: Auch in Berlin müsse man darüber nachdenken, was nun zu ändern sei. Und: „Wir müssen unser Profil schärfen.“ Es war Schulz selbst, der Nordrhein-Westfalen zum Test für die Bundestagswahl erklärt hatte. Erst werde „Hannelore“ im Mai als Ministerpräsidentin wiedergewählt, dann werde er im Herbst Bundeskanzler werden. So hieß die Gleichung auf dem Bundesparteitag im März – und so war es anfangs bei vielen Auftritten an Rhein und Ruhr. Die Genossen berauschten sich an sich selbst. Nun will der Kanzlerkandidat davon nicht mehr viel wissen.

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