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Kritik an Parteichef Chrupalla : Wenn bei der AfD ins Zelt gepinkelt wird

  • -Aktualisiert am

Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla Bild: dpa

Mehrere führende AfD-Politiker machen den Bundesvorsitzenden für eine Reihe von Niederlagen der Partei verantwortlich – auch wegen seiner Russlandpolitik. Klein beigeben will er nicht.

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          Seit Montag muss man den Eindruck haben, dass Tino Chrupalla beim Camping keine gute Zeit hatte. Am Tag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kommentierte der AfD-Vorsitzende in Berlin deren Ausgang. Seine Partei hatte sich nur knapp über die Fünf-Prozent-Hürde gestemmt. Bei der Ursachensuche für das mäßige Ergebnis kam Chrupalla auf die „Kakophonie“ in der Parteiführung zu sprechen.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Es sei wie früher beim Camping, sagte er. „Da haben sich immer diejenigen beschwert, dass es nass im Zelt ist, und es waren diejenigen, die auch ins Zelt hineingepinkelt haben.“ Angesichts des Gelächters im Saal der Bundespressekonferenz sagte der AfD-Chef: „So war es in der Jugend gewesen.“ Dann noch ein kleiner Tritt gegen die politische Konkurrenz. „Mit der Jungen Union war ich häufig zelten gewesen.“

          Chrupalla wurde Ende 2019 zum AfD-Vorsitzenden gewählt. Er führte die Partei zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden Jörg Meuthen, der allerdings zu Beginn dieses Jahres von seinem Amt zurückgetreten ist. Bei der Wahl in Schleswig Holstein am 8. Mai scheiterte die AfD erstmals, seit sie 2014 in einen Landtag hineingewählt worden war, an der Fünf-Prozent-Hürde. Nachdem die Sache am vorigen Sonntag in Nordrhein-Westfalen zwar nicht ganz so schlimm, aber auch mit Verlusten gegenüber der Wahl fünf Jahre zuvor geendet war, nahmen sich einige führende Parteimitglieder am Montag den Vorsitzenden Chrupalla zur Brust.

          „Seit 2020 hat die AfD bei neun Landtagswahlen in Folge nur noch verloren“

          Man brauche „mehr unverbrauchte Köpfe“ an der Spitze der Partei, schrieb die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar in einer gemeinsamen Mitteilung mit anderen AfD-Politikern. „Mit Tino Chrupalla endete die Erfolgsgeschichte der AfD.“ Er bilde weder die gesamte Partei ab, noch überzeuge er bei den Wählern. „Darum darf er als Bundessprecher nicht noch einmal antreten.“

          Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2022
          Alle Ergebnisse

          Jürgen Braun, Bundestagsabgeordneter und einst Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, wies auf eine Serie von Wahlniederlagen seiner Partei hin. „Seit 2020 hat die AfD bei neun Landtagswahlen in Folge nur noch verloren.“ Das gelte im Osten wie im Westen. Auch bei der Bundestagswahl hätten sich „scharenweise“ Wähler abgewandt. „Alle diese Wahlen fielen exakt in die Amtszeit von Parteichef Tino Chrupalla, die im November 2019 begann. Das dürfen wir nicht länger ausblenden.“ Bundesvorstandsmitglied Alexander Wolf wandte sich gegen ein „allzu großes Verständnis für die russische Position im Ukraine-Krieg“. Dieser Kurs von Tino Chrupalla sei „ein Irrweg“.

          Der Kritisierte machte jedoch keinerlei Anstalten, klein beizugeben. Chrupalla kündigte an, beim Parteitag im Juni im sächsischen Riesa wieder anzutreten. Selbst wenn der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke sich bewerben sollte, wolle er sich um den Posten als Vorsitzender bewerben, sagte Chrupalla.

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