https://www.faz.net/-gpf-8xklc

CDU-Spitzenkandidat in NRW : Pechpilz und Glücksrabe

Er gilt als der uncharismatische Knuddelbär der Union. Doch Laschets Beharrlichkeit könnte sich nun auszahlen. Bild: dpa

Armin Laschets Karriere stand lange unter keinem guten Stern. Nur wenn es der Union in Nordrhein-Westfalen schlechtging, lief es für ihn gut. Diesmal sieht das anders aus.

          7 Min.

          Angela Merkel ist eine spröde Rednerin. Aber auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen Union Anfang April in Münster vermag sie die Delegierten schon mit ihrer Begrüßungsformel zu verzücken: „Ich darf Ihnen als Erstes die herzlichen Grüße der Freunde aus dem Saarland überbringen, die uns am letzten Sonntag...“, der Rest geht im Jubel und Applaus unter. Nur ein paar Meter von Merkel entfernt sitzt auf dem Podium Armin Laschet. Er strahlt.

          Reiner Burger
          (reb.), Politik

          Der Sieg der Union bei der Wahl im Saarland am 26. März kam gerade zur rechten Zeit für den größten Landesverband der Partei. Drei Jahre lang lag die Union mit der SPD in Nordrhein-Westfalen zumindest gleichauf, manchmal hatten die Christdemokraten sogar die Nase vorn. Dem Oppositionsführer fiel es immer leichter, die lustlos wirkende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor sich herzutreiben und sich und seine Partei als ernstzunehmende Alternative zu präsentierten. Zumal die Bilanz ihrer rot-grünen Regierung miserabel ist. Ob bei Wirtschaft, Bildung, Verkehr, der inneren Sicherheit – überall belegt Nordrhein-Westfalen im Ländervergleich wenig schmeichelhafte Plätze. Viele Unionspolitiker glaubten deshalb, es sei ein Leichtes, die Landtagswahl am 14. Mai zu gewinnen.

          Faltblätter mit Röttgens-Konterfei hektisch von den Tischen geräumt

          Doch als im Januar Martin Schulz überraschend Kanzlerkandidat wurde, kletterten die Umfragewerte der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten auf 36, 37, bei einem Institut sogar auf 40 Prozent. Und bei der CDU kehrten die Selbstzweifel zurück. Die Laschet-Kritiker sahen sich in ihrer Skepsis bestätigt und streuten, der stets freundlich lächelnde Parteifreund aus Aachen greife zu wenig aggressiv an, der bedingungslose Merkel-Verteidiger sei der falsche Kandidat, um gegen die begabte Menschenfischerin Kraft zu bestehen. Die Christdemokraten schienen auf dem besten Weg, sich wieder einmal selbst zu demobilisieren. Laschet schien der sichere Verlierer.

          Umfrage zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

          , Umfrage von:
          Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

          Die Union hat in NRW eine gewisse Routine darin, sich zuverlässig immer dann im Weg zu stehen, wenn es gerade spannend wird. Wiederholt hat sie sich selbst um ihre Chancen gebracht. Beinahe vierzig Jahre blieb sie nach 1966 in der Opposition, weil sie sich durch innere Konflikte lähmte. Weil sich ihre Führungsleute erbittert bekämpften. Weil sie ihre Kraft vergeudete mit Bundesministern als Spitzenkandidaten, die gar nicht in die Landespolitik wollten – wie vor fünf Jahren Norbert Röttgen. Damals, in der Schlussphase des Wahlkampfs, wurden die Faltblätter mit Röttgens-Konterfei hektisch von den Tischen geräumt. Auf nur noch 26,3 Prozent kam die Union 2012 – nie zuvor hatte sie im größten Bundesland so schlecht abgeschnitten.

          Klaus Kaiser verzieht das Gesicht, wenn man ihn daran erinnert. Kaiser ist Direktkandidat im Wahlkreis Hochsauerland I. Es ist ein schwarzer Wahlkreis, aber auch Kaiser schaffte es nach Röttgens Katastrophenkampagne auf „nur“ noch 45 Prozent. „Die Stimmung ist heute komplett anders“, versichert er, während er kurz vor Ostern in der Schützenhalle Bigge in Olsberg auf Laschet wartet. „Die Saarland-Wahl hat der Partei sehr geholfen. Und wenn die Leute unseren Spitzenkandidaten erst einmal selbst erlebt haben, sind sie überzeugt.“

          Weitere Themen

          Hackerangriff legt Pipeline in den USA lahm Video-Seite öffnen

          Erpressungstrojaner : Hackerangriff legt Pipeline in den USA lahm

          Die größte Pipeline der USA ist kürzlich Ziel eines Hackerangriffs geworden. Ein Erpressungstrojaner hat das gesamte Rohrleitungsnetz von Texas bis New York vorübergehend stillgelegt. Die US-Bundespolizei FBI macht eine Hackergruppe namens Darkside für den Cyberangriff verantwortlich.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.