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Nordrhein-Westfalen : Triumvirat im Westen

  • -Aktualisiert am

Zu Dritt gegen Röttgen: (von links) Krautscheid, Laschet und Laumann Bild: dpa

Viele in der nordrhein-westfälischen CDU wünschen sich, dass ihr neuer Vorsitzender aus der Landespolitik kommt, nicht aus Berlin. Dafür bündeln drei Männer ihre Kräfte: Karl-Josef Laumann, Armin Laschet und Andreas Krautscheid. Ihr Gegner ist Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

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          Andreas Krautscheid setzt am Freitag sein erstes Zeichen schon, bevor er das erste Wort sagt. In sandfarbenem Sommeranzug und ohne Krawatte erscheint der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU am Freitagmorgen im Landtags in Düsseldorf betont locker. Seine Parteifreunde Armin Laschet und Karl-Josef Laumann haben dunklen Zwirn gewählt und auch auf den Binder nicht verzichtet für die Pressekonferenz, auf der sie das mitteilen wollen, was sie die „Landeslösung“ nennen. Alle drei wünschen sich, dass der Rüttgers-Nachfolger im Amt des CDU-Landesvorsitzenden aus der Landespolitik kommt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Es ist ein Pakt „drei gegen einen“. Denn auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat Interesse an dem Posten. Und nun rechnen sich Laumann, Laschet und Krautscheid bessere Chancen für ihre „Landeslösung“ aus, wenn sie ihre Kräfte bündeln. Krautscheid, der vor ein paar Wochen schon nicht zur Wahl des CDU-Fraktionsvorsitzenden angetreten ist, stellt auch diesmal eigene Ambitionen zurück. Noch am Donnerstagmorgen hatte Krautscheid seinen Parteifreund Laschet mit einem Interview in der „Bild“-Zeitung verunsichert. Und in der Deutschland-Ausgabe der Boulevard-Zeitung war ein Artikel unter der Schlagzeile „Wird Krautscheid der neue starke Mann der CDU im Westen?“ erschienen.

          Rüttgers war nicht an der Entscheidung beteiligt

          Bis spät in den Donnerstagabend hinein hat Krautscheid dann mit Laschet verhandelt. Schließlich waren sich die beiden einig: Laschet kandidiert. Und im Erfolgsfall bleibt Krautscheid sein Generalsekretär. Vor ein paar Wochen erst unterlag der frühere Integrationsminister Laschet nur knapp dem früheren Sozialminister Laumann im Ringen um den Fraktionsvorsitz. Damals war viel davon die Rede, Laumann sei der Wunschkandidat des am 9. Mai abgewählten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Unbedingt wolle dieser Laschet verhindern. Nun aber macht sich Laumann für Laschet stark. Den amtierenden Parteivorsitzenden, der derzeit im Frankreich-Urlaub weilt, haben die drei nur noch über ihr Verhandlungsergebnis informiert; eingebunden war Rüttgers nicht mehr in den Entscheidungsprozess.

          Bis Ende August kann auch Bundesumweltminister Röttgen (CDU) seine Kandidatur noch bekannt geben
          Bis Ende August kann auch Bundesumweltminister Röttgen (CDU) seine Kandidatur noch bekannt geben : Bild: APN

          Bevor die drei Spitzenleute der des größten CDU-Landesverbandes in Deutschland jedoch ihre eigentliche Nachricht verkünden, sprechen sie freilich erst einmal ausführlich über die rot-grüne Minderheitsregierung. Kaum sei Rot-Grün im Amt, streite sich das Bündnis schon wieder wie vor 2005, ätzt etwa Laumann. Der Fraktionsvorsitzende verweist auf das Kohlekraftwerk Datteln, das die Grünen nicht fertig bauen, sondern wieder abreißen lassen wollen, während die SPD sich im Wahlkampf stets für das Vorhaben einsetzte. Ob Rot-Grün fünf Monate oder fünf Jahre halte, könne niemand wissen.

          Laschet will nun alle 54 Kreisverbände bereisen

          „Deshalb ist es wichtig, dass die CDU die Oppositionsrolle hat und ganz schnell personell wie inhaltlich eine gute Alternative ist.“ Das bedeutet nach Einschätzung von Krautscheid in den kommenden Wochen viel Arbeit, die zwischen „Herford und Heinsberg“ geleistet werden müsse. „Unser Projekt heißt, die CDU wieder an die Macht zu bringen.“ Und Laschet sagt, die CDU müsse auch organisatorisch sehr schnell wieder in die Lage versetzt werden, wieder Wahlen zu gewinnen. In Anspielung auf parteiinterne E-Mail-Intrigen fügt Laschet lächelnd hinzu, die Landesgeschäftsstelle solle künftig den Wahlkampf unterstützen, statt ihn zu behindern. Noch am Freitag wollte Kandidat Laschet damit beginnen, nach und nach alle 54 Kreisverbände der Partei zu bereisen.

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