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Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen : Ein Zittern an der Ruhr

Der präsidiale Jürgen Rüttgers Bild: Verena Müller

Die Blitzaufsteigerin Hannelore Kraft gegen den präsidialen Jürgen Rüttgers: Das Rennen im bevölkerungsreichsten Bundesland bleibt bis zuletzt offen. Und womöglich kommt es am Ende auf die Bundeskanzlerin an.

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          Wenn man die sozialdemokratische Spitzenkandidatin für die nordrhein-westfälische Landtagswahl ärgern will, muss man sie auf Ähnlichkeiten mit Angela Merkel ansprechen. Anstatt sich geschmeichelt zu fühlen, dass sie schon mit der Kanzlerin verglichen wird, macht Hannelore Kraft dicht. Und ihre von Parteigängern gerühmte ruhrgebietstypische Direktheit verwandelt sich in Patzigkeit. Angespannt führt sie das Gespräch als Abwehrkampf. „Tatsächlich gibt es kaum Ähnlichkeiten“, behauptet sie und zieht dabei ihre Mundwinkel herunter.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Aber es sind nicht nur Äußerlichkeiten. Wie Angela Merkel einst mit der Bundes-CDU hat Hannelore Kraft mit der nordrhein-westfälischen SPD eine Partei tief in der Krise übernommen. Wie Frau Merkel hat sie ihrer Partei einen Erneuerungskurs verordnet. Und schließlich geht es ja auch ganz konkret um die Kanzlerin bei der einzigen Landtagswahl dieses Jahres. Denn wird Schwarz-Gelb in Düsseldorf abgewählt, verlieren Union und FDP auch im Bundesrat ihre Mehrheit und können nicht mehr „durchregieren“. Schwer ruhen dieser Tage alle sozialdemokratischen Hoffnungen auf „uns Hannelores“ Schultern. Alles hängt mit allem zusammen.

          Keine sozialdemokratischen Alphatiere

          Als die SPD nach beinahe vier Dekaden 2005 ihre Vorherrschaft an Rhein und Ruhr einbüßte, gab es keine sozialdemokratischen Alphatiere mehr. 2007 konnte deshalb mit Hannelore Kraft eine Frau ohne den typischen sozialdemokratischen Stallgeruch Vorsitzende des mit Abstand größten, wichtigsten und mächtigsten SPD-Landesverbands werden. Als „authentisch“ muss sich die Spitzenkandidatin gerade deshalb fortwährend selbst bezeichnen. Auch wenn sie glaubt, „authentisch“ sei eine Spitze gegen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), den sie für einen Schauspieler hält.

          Blitzaufsteigerin Hannelore Kraft

          Dabei stammt Rüttgers, 1951 als Sohn eines Elektromeisters in Köln geboren, ebenfalls aus vergleichsweise einfachen Verhältnissen und wird früh auf Bescheidenheit getrimmt: Gern kokettiert er damit, dass er zur Einschulung von Mutter Käthe die kleinste Zuckertüte bekam. Solche Geschichten sollen Bodenständigkeit beweisen. Allerdings hat Rüttgers auch nach fünf Jahren als Landesvater mit einer gewissen Unnahbarkeit und Steifheit zu kämpfen, weshalb sich seine Berater die Veranstaltungsreihe „Ein Abend mit Angelika und Jürgen Rüttgers“ ausgedacht haben, auf dass wenigstens seine Frau mit Erzählungen aus dem trauten Heim Wärme in den CDU-Wahlkampf bringe.

          „Von Mensch zu Mensch“

          Auch Frau Kraft weiß sich längst in Szene zu setzen. Um ihren Lebenslauf geschmeidig einzuflechten in die große sozialdemokratische Erzählung, gibt es in ihrer Kampagne die Talkshow „Von Mensch zu Mensch“, mit der sie in den vergangenen Wochen im Land unterwegs war. Eine der Botschaften lautet: „Ohne die SPD hätte ich weder Abitur gemacht noch studiert. Es war ihre Politik der Durchlässigkeit im Bildungssystem, die mich gefördert hat.“

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