https://www.faz.net/-gpf-168ks

Im Gespräch: Hannelore Kraft : „Ich bin authentisch“

  • Aktualisiert am

„Westerwelles Hartz-IV-Debatte war unverschämt und beleidigend”: SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft Bild: Verena Müller

Hannelore Kraft will Nordrhein-Westfalen, das einstige Stammland der SPD, für die Sozialdemokraten zurückgewinnen. Im F.A.S.-Interview spricht sie über Aufstieg und Mut, den Unterschied zu Jürgen Rüttgers - und die Rolle der Linkspartei.

          4 Min.

          Erst galt sie als hoffnungslos unterlegen, doch mittlerweile liegt Hannelore Krafts SPD in Nordrhein-Westfalen nach den Umfragen gleichauf mit der CDU von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Alles ist möglich bei der Landtagswahl am 9. Mai, auch ein Revival von Rot-Grün. Ein Gespräch.

          Frau Kraft, Sie sind erst mit 33 Jahren in die SPD eingetreten. Ihr kometenhafter Aufstieg erinnert an Bundeskanzlerin Merkel. Sehen Sie Ähnlichkeiten mit ihr?
          Diese Vergleiche gibt es nur, weil ich eine Frau bin. Tatsächlich gibt es kaum Ähnlichkeiten.

          Wirklich? Sie pflegen einen unspektakulären Lebensstil, Sie wurden unterschätzt, und auf einmal stehen Sie weit oben.
          Die hiesige SPD hat mich nicht unterschätzt, schließlich hat sie mich zur Vorsitzenden gewählt. Unterschätzt haben mich die Medien.

          Angela Merkel gilt als misstrauisch. Das sind Sie doch auch.
          Vertrauen muss man sich bei mir verdienen. Aber misstrauisch? Nein, das wäre zu viel gesagt.

          Auf Wahlkampftour: Hannelore Kraft in einem Zementwerk in Ennigerloh

          Ihr Aufstieg - auch das eine Parallele zur Bundeskanzlerin - hat mit der Krise Ihrer Partei zu tun. Sind Sie eine Krisengewinnlerin?
          Mit Verlaub: Ich habe schon vorher Karriere gemacht. Ich war im Landtag, ich war Ministerin. Für mich war allerdings klar: Wenn ich Parteivorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD werde, dann werde ich auch Spitzenkandidatin. Das hat die Partei schon Anfang 2007 so entschieden.

          Ihr Mentor war Wolfgang Clement.
          Ich habe keinen Mentor. Darauf lege ich Wert, weil ich nichts von Mentoren halte. Und Wolfgang Clement würde sich wohl auch nicht so sehen.

          Clement hat Sie zur Ministerin gemacht. Aus der SPD ist er ausgetreten, er macht nun Wahlkampf für die FDP. Sind Sie enttäuscht von ihm?
          Ich bedaure, dass er diesen Weg gegangen ist. Ich bin mit ihm menschlich immer gut ausgekommen. Aber es gab einen Konflikt zwischen ihm und der SPD. Und er hat diesen Konflikt vor der Hessenwahl bewusst zugespitzt.

          Sie haben kürzlich mit einem Vorstoß für Wirbel gesorgt: Langzeitarbeitslose sollen Leuten in Altersheimen vorlesen oder mit ihnen spazierengehen. Der Vorschlag platzte in die Hartz-IV-Debatte, die der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle angestoßen hatte. War das Absicht?
          Mich hat nicht die Debatte von Herrn Westerwelle interessiert. Die halte ich für unverschämt und völlig beleidigend. Ich habe auch nicht von Arbeitspflicht geredet, sondern von einem Recht auf Arbeit für eine bestimmte Gruppe von Langzeitarbeitslosen, die erkennbar keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. In der SPD hatten wir uns verabredet, bis Mitte März unsere Position zur Arbeitsmarktpolitik neu zu bestimmen. Deshalb habe ich mich zu diesem Zeitpunkt geäußert.

          Wer hat denn keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt?
          Ich treffe viele solche Leute auf meinen Wahlkampftouren. Heute war ich in einer Arbeitsloseninitiative, wo Leute als Ein-Euro-Jobber Möbel aufarbeiten und Fahrräder reparieren. Der Anleiter, ein Schreinermeister, sagte mir: Die Leute sind hier ein halbes Jahr, dann können sie gerade was, haben ein geregeltes Leben aufgebaut, und dann schicken wir die wieder zurück in die Perspektivlosigkeit, weil der Ein-Euro-Job nach einem halben Jahr zu Ende ist. Das geht nicht. Wir brauchen hier Arbeitsplätze auf Dauer, die sozialversicherungspflichtig und ordentlich bezahlt sind.

          Die harten Attacken auf Ministerpräsident Jürgen Rüttgers überlassen Sie SPD-Chef Sigmar Gabriel. Stattdessen üben Sie sich schon im präsidialen Stil der Landesmutter.
          Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, in die unterste Schublade greifen zu müssen, um zu gewinnen.

          Noch eine Ähnlichkeit mit der Kanzlerin.
          Seien Sie beruhigt. Ich kann auch Attacke.

          Was halten Sie denn von Herrn Rüttgers persönlich?
          Das Bild von ihm müssen sich die Bürger schon selbst machen.

          Weitere Themen

          Ende ausländischer Einmischung gefordert Video-Seite öffnen

          Libyen-Konferenz : Ende ausländischer Einmischung gefordert

          In Berlin hat am Nachmittag die internationale Libyen-Konferenz begonnen. Die Bundesregierung und die UNO hoffen, dass es in Berlin zu einer Einigung über eine Festigung der Waffenruhe kommt.

          Topmeldungen

          Oxfam stellt unter dem Titel „Frauen arbeiten unbezahlt, Milliardäre machen Kasse“ verschiedene Forderungen.

          Oxfam : „Ein Wirtschaftssystem für reiche Männer“

          Oxfam prangert die Benachteiligung von Frauen durch ungleiche Arbeitsteilung in Familien an. Gefordert werden höhere Ausgaben für die Kinderbetreuung und gezielte Entwicklungshilfe für Frauen in ärmeren Ländern.
          Raheem Mostert (Mitte) von den San Francisco 49ers auf dem Weg zum Touchdown gegen die Green Bay Packers beim NFL-Halbfinale in Santa Clara

          NFL Halbfinale : San Francisco und Kansas City im 54. Super Bowl

          Der fünfmalige Champion San Francisco 49ers wird im Super-Bowl-Finale auf die Kansas City Chiefs treffen, die sich kurz zuvor qualifiziert haben. Als zweiter deutscher Football-Profi hat Mark Nzeocha eine Chance auf den Gewinn des Titels.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.