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Grüne in NRW : Endlager für politische Probleme

Kampagne „mit ganz viel Herzblut“: die Landesparteivorsitzende Mona Neubaur (links) und Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann enthüllen ein Wahlplakat. Bild: dpa

Die nordrhein-westfälischen Grünen befinden sich schon vor dem Beginn des Landtagswahlkampfs in einem Abwärtssog. Schuld daran ist nicht nur der Schulz-Hype der SPD.

          Die nordrhein-westfälischen Grünen hatten sich alles so schön ausgedacht – damals, als die Welt noch in Ordnung schien, und sie in den Umfragen bei zehn oder mehr Prozent standen. Es war im vergangenen Sommer: Nordrhein-Westfalen feierte gerade sein 70. Gründungsjubiläum, als sich die Führung des größten Landesverbands der Grünen mit Werbefachleuten zusammensetzte, um die Grundzüge der Kampagne für die Landtagswahl am 14. Mai 2017 festzulegen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          „Wir haben gemerkt, was das Land ausmacht“, erzählt Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann. „Da ist zum einen der soziale Zusammenhalt, und natürlich spielen auch der Wandel, die ökologische Erneuerung eine große Rolle.“ Der zentrale Wahlslogan der Grünen, mit dem die manchmal ziemlich verwirrende nordrhein-westfälische Vielfalt „grün“ zusammengebunden werden soll, war dann schnell gefunden: „Zusammen ist es NRW“.

          Unterwegs mit Kondomen und Schokoladenherzen

          Die Grünen wollen sich in diesem Wahlkampf als die einzig wahren Hüter von Buntheit, Kreativität und Toleranz in Nordrhein-Westfalen präsentieren. Die Kampagne dazu ist konsequent gefühlig angelegt. „1. Beherzt regieren. 2. Weniger Hass!“, steht auf einem der beiden Großflächenplakate über einem roten Herz mit Amor-Pfeil, das Löhrmann vor einigen Tagen gemeinsam mit der Vorsitzenden der NRW-Grünen, Mona Neubaur, in einem Düsseldorfer Künstleratelier präsentierte.

          Als „Streuartikel“ an Wahlkampfständen gibt es neben gefühlsechten Kondomen („1. Überziehen. 2. Spaß haben!“) vor allem fair gehandelte Schokoladenherzen mit der Aufschrift „Herz statt Hetze“. Weil „auch politische Liebe durch den Magen geht, sind wir erstmals mit einem Food-Truck unterwegs“, sagt Neubaur. Bei einem leckeren Bio-Essen wolle man mit den Leuten über eine „gute, gerechte Zukunft“ diskutieren.

          SPD profitiert von Schulz, die Grünen stürzen ab

          Da die Grünen „mit ganz viel Herzblut“ unterwegs sein wollen, haben sie sich vorgenommen, in diesem Wahlkampf immer wieder große grüne Herzen aufzustellen. Man werde die bis zu fünf Meter hohen aufblasbaren Herzen überall da platzieren, „wo Liebe passiert oder Liebe fehlt“, sagt Neubaur und nannte als Beispiele einen Ort im rheinischen Braunkohlerevier und die Großdemonstration gegen den AfD-Parteitag im April in Köln.

          Es ist die Kampagne einer selbstgewissen Partei. Tatsächlich waren die Grünen lange Zeit die treibende Kraft der seit 2010 regierenden rot-grünen Koalition von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Als ausgemacht galt im nordrhein-westfälischen Landesverband, dass man wie vor fünf Jahren auch am 14. Mai wieder ein Ergebnis um die elf Prozent erzielen und damit drittstärkste politische Partei im Land werde. Mindestens. Denn elf Prozent entsprächen dem Stammpotential in Nordrhein-Westfalen, glaubten die Grünen. Um so nervöser schlagen die grünen Herzen, seit Anfang Februar eine Umfrage veröffentlicht wurde, in der die SPD erstmals deutlich vom Martin-Schulz-Schub profitieren konnte, während die Grünen auf sieben Prozent abstürzten.

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