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Nach den NRW-Wahlen : Eiche und Bambus

Standfestigkeit auf dem Prüfstand: FDP-Vorsitzender Philipp Rösler Bild: dpa

Der FDP-Parteivorsitzende, Wirtschaftsminister und Vizekanzler wusste, was auf ihn zukommen würde. Und nun läuft die Führungsdiskussion wieder. Die FDP stichelt gegen Philipp Rösler.

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          Die Debatte über die Zukunft des FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler kommt nicht überraschend. Schon auf dem Bundesparteitag hatten Präsidiumsmitglieder gesagt, Rösler könne die Partei nicht in den Bundestagswahlkampf führen, egal wie die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ausgingen. Der Parteivorsitzende, Wirtschaftsminister und Vizekanzler wusste also, was auf ihn zukommen würde. Und nun kommt es. Und das in einer Art, von der manche glauben, sie sei in der FDP unabänderlicher Teil aller Führungsdiskussionen. Nämlich: intrigant, boshaft, persönlich.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die erste Schäbigkeit wurde Rösler am vergangenen Montag vom Schleswig-Holstein-Kandidaten zugefügt. Wolfgang Kubicki ließ von zwei FDP-Kumpanen, Jürgen Koppelin und Heiner Garg, ausrichten, er könne nicht zur Montagssitzung des Präsidiums nach Berlin kommen, wohin alle Spitzenkandidaten zu kommen pflegen, ob sie nun gewonnen haben oder nicht. Kubicki habe „einen Kater“, schlafe „seinen Rausch aus“ oder liege „noch im Koma“, wurden die beiden Gesandten aus Kiel zitiert. Jedenfalls hielt es Kubicki nicht für nötig, zu tun, was in der Partei seit jeher Tradition ist. Stilfrage. An diesem Montag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen war es ihm dann doch ein Bedürfnis, dabei zu sein. Gemeinsam stand Kubicki auf einer Tribüne, witzelnd mit dem NRW-Wahlgewinner Lindner und dem Parteivorsitzenden Rösler, der sich immerhin die ironische Begrüßung leistete, der zufolge nun alle „topfit“ auf der Tribüne stünden.

          Bosheiten - eingebettet in blumige Wolken

          Zusammen mit Lindner und Kubicki suchte Rösler die Lehren der Wahlerfolge für die Bundespolitik zu erläutern, ohne dabei die wichtigste zu erwähnen: Auf den Spitzenkandidaten kommt es an. Kubicki formuliert das neue Machtgefüge so: „Die Wirkungsmöglichkeiten hängen nicht davon ab, ob ich und Christian Lindner in Führungsgremien vertreten sind.“ Das klingt zwar nach Herrenreiterpartei und nicht nach Parteiendemokratie, aber dem beliebten Kubicki ist vorläufig nahezu alles erlaubt.

          Vor drei Tagen hat Rösler sich anhören müssen, welche Verachtung gegen ihn in Rainer Brüderle, dem Fraktionsvorsitzenden, schlummert. Brüderle redet viel und bettet Bosheiten gerne in Wolken blumiger Solidaritätsbekundungen ein. So sprach er auch am Samstag beim FDP-Landesparteitag in Niedernhausen bei Frankfurt von Zusammenhalt, Solidarität, Unterstützung für den Parteivorsitzenden und so weiter. Und dann sagte er folgende Worte: „Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche.“ Eiche und Bambus, Brüderle und Rösler. Brüderle könnte natürlich bei seiner Rede in Niedernhausen nicht daran gedacht haben, dass Rösler, der in Vietnam geboren wurde, sich selbst bei seiner Parteitagsrede vor einem Jahr mit dem Bambus verglichen und gesagt hatte: „Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht.“ Möglich, dass Brüderle das vergessen hatte. Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

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