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Hannelore Kraft : Triumphatorin

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Sieg auf ganzer Linie: Mit ihrer bodenständigen Art kommt Hannelore Kraft an Bild: REUTERS

Mit ihrer bodenständigen Art hatte sie keine Schwierigkeiten gegen ihren Herausforderer Norbert Röttgen: Hannelore Kraft ist die triumphale Gewinnerin der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Sigmar Gabriel sieht sie schon als Kanzlerkandidatin.

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          Vor zwei Jahren, als es in der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nur zu einem „gefühlten“ Wahlsieg für die SPD gereicht hatte und eine für alle Beteiligten ziemlich quälende Suche nach einer parlamentarischen Mehrheit nötig wurde, sagte Hannelore Kraft dann und wann selbstironisch, „einfach“ sei eben nicht ihr Ding. So kompliziert erschien ihr damals die Lage, dass sie sogar erwog, die abgewählte schwarz-gelbe Regierung Rüttgers erst einmal im Amt zu belassen und irgendwie aus der Opposition heraus zu regieren. Es waren dann die Grünen und ihre Genossen aus Berlin, die ihr freundlich-drängend halfen, ihre Angst vor einem Minderheitsbündnis zu überwinden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zwei Jahre später ist die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin die triumphale Gewinnerin der Landtagswahl. Anders als zunächst von vielen erwartet, hat sich das Experiment Minderheitsregierung nicht für die Grünen, sondern für die Sozialdemokraten ausgezahlt. Die SPD ist im bevölkerungsreichsten Land nun wieder die strukturelle Mehrheitspartei. Und Frau Kraft hat mit ihrem Gute-Laune-Wahlkampf bewiesen, dass „einfach“ eben doch ihr Ding ist - mit ihrer bodenständigen, direkten Art hatte sie zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten, gegen ihren Herausforderer Röttgen von der CDU Punkte zu machen.

          Für den SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel gilt sie nun sogar als denkbare Kanzlerkandidatin. „Selbstverständlich, bei einem so überzeugenden Ergebnis gehört eine Ministerpräsidentin des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zu denen, die für eine solche Kandidatur infrage kämen“, sagte Gabriel am Wahlabend. Er fügte hinzu: „Aber sie hat es ausgeschlossen.“ Frau Kraft sagte später, sie wolle sich auf ihre Aufgaben in Nordrhein-Westfalen konzentrieren und ihren Wahlauftrag erfüllen.

          Der Heimat bis heute treu geblieben

          Die 50 Jahre alte Sozialdemokratin kommt aus kleinen Verhältnissen. Die Eltern arbeiteten in ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr bei der Straßenbahn. Tochter Hannelore war die Erste der Familie, die das Abitur machte. Nach einer Banklehre in Mönchengladbach erwog Frau Kraft zunächst, die Rechte zu studieren, entschied sich wegen der hohen Abbruch- und Durchfallerquoten dann aber für Wirtschaftswissenschaften - eine Wahl, die sie nie bereut hat, wie sie beteuert.

          Nach ihrem Studium in Duisburg und London arbeitete die Diplom-Ökonomin annähernd elf Jahre als Unternehmensberaterin und Projektleiterin bei der Mülheimer Zenit GmbH.

          Keine Berührungsängste: Kraft im April auf ihrer Wahlkampftour in einem Betrieb in Ostwestfalen Bilderstrecke

          Frau Kraft gehört nicht zu den Politikern, die ihre Karriere schon von Jugend an planten. Erst mit 33 Jahren trat sie in die SPD ein. 1995 wurde sie in den Vorstand der Mülheimer SPD gewählt. Als sie dann in der Landtagswahl im Jahr 2000 eines der Mülheimer Direktmandate errang, begann ihre Blitzkarriere. Ministerpräsident Clement (damals noch SPD) machte sie schon im Jahr darauf zur Europaministerin, Clements Nachfolger Steinbrück (SPD) übertrug ihr das Wissenschaftsressort.

          Nach dem Debakel bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2005 (die SPD hatte nach 39 Jahren die Macht verloren) wurde Frau Kraft Fraktionsvorsitzende. 2007 übernahm sie auch die Führung der Landespartei, im September 2009 wurde sie stellvertretende Bundesvorsitzende und im Juli 2010 dann erste Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen.

          Ihrer Heimatstadt ist Frau Kraft bis heute treu geblieben. Mit ihrem Mann Udo und ihrem 20 Jahre alten Sohn Jan lebt sie in einer Doppelhaushälfte in Mülheim direkt neben ihrer Mutter Anni.

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