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Sieg für Rot-Grün in Niedersachsen : Triumph und Tragik 

Geschlagener Sieger: David McAllister Bild: REUTERS

So richtig freut sich in Berlin am Wahlabend kaum jemand - vor allem nicht bei der CDU, die die große Verliererin ist. SPD wie Grüne müssen sich hingegen fragen, wie die knappe Wahl wohl ohne Peer Steinbrück ausgegangen wäre.

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          Eckart von Klaeden versichert glaubhaft, einige Jahre sei auch er nun schon in der Politik. Seit 1994 gehört der Niedersachse dem Bundestag an. Seit der vergangenen Bundestagswahl sei er nun auch Staatsminister im Bundeskanzleramt. Er sei also erfahren und habe auch schon einiges in der Politik erlebt. Eines aber noch nicht: Einmalig sei es in diesem Wahlkampf gewesen, wie viele Freunde und Anhänger seiner CDU auf ihn zugegangen seien und versichert hätten: „Dieses Mal wähle ich die FDP. Sie darf nicht untergehen. Nur mit der FDP kann die CDU in Niedersachsen die Regierung fortsetzen.“ Eckart von Klaeden ist umringt von Journalisten - an diesem Sonntag der Niedersachsen-Wahl im Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der Bundes-CDU. Soeben haben die Gäste, Parteifreunde zumal, die an die zehn Prozent reichenden Prognosen für die FDP mit gefühligem Beifall, die 37 Prozent für die CDU aber mit Schweigen zur Kenntnis genommen. Leihstimmen für die FDP? Ja. Aber gleich zehn Prozent? Das wäre doch des Guten zu viel, drückt seine Mimik aus. Und selbst als im Foyer via Fernsehen auf der Basis von Hochrechnungen dargelegt wird, CDU und FDP könnten im Landtag zu Hannover einen Sitz mehr als SPD und Grüne haben, brechen die Gäste nicht in Jubelgesänge aus. Zu knapp ist es, und wenige Stimmen können alles verschieben, wissen sie.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Dabei hatten sich vor Tagen der Spitzenkandidat in Niedersachsen und seine Parteiführung in Berlin eines vorgenommen: An diesem Sonntag, zu Beginn des Jahres, dessen politischer Höhepunkt die Bundestagswahl im Herbst sein wird, sollte gefeiert werden. Entweder bloß die Bestätigung, wieder stärkste Partei geworden zu sein, oder sogar der Umstand, abermals mit der FDP die Landesregierung bilden zu können. Mit der Entwicklung der Umfragezahlen seit Mai vergangenen Jahres, seit jenen Tagen, als die CDU die Macht im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein-Westfalen nämlich, verloren hatte, machten sich die CDU und voran der Spitzenkandidat David McAllister selbst Mut. Damals, im Mai, hatte die SPD in Niedersachsen noch vorne gelegen. Im September überflügelte dann die in Hannover regierende CDU die SPD. Seither war in Land und Bund davon die Rede, man sei auf der „Überholspur“. Rückläufige Zahlen bei der SPD, stagnierende Werte bei den Grünen, ein leichtes Auf der FDP in Richtung „fünf Prozent“. Schier aus der Fassung gerieten die CDU-Strategen. Ihre Leihstimmen-Kampagne zugunsten der FDP verhüllten sie nur mit dem Notwendigsten.

          Tektonik ohne Rückenwind

          Im Land wie im Bund wussten sie: Kein noch so gutes Ergebnis hülfe der CDU, sollte die FDP an der Fünfprozenthürde scheitern. Stimmenverluste der CDU von mehr als fünf Punkten waren aber nie vorgesehen gewesen. Immerhin hatten die CDU-Oberen doch die Auffassung verbreitet, mit Niedersachsen solle ein guter Start in das Wahljahr gelingen. Niedersachsen, Vorbild für den Bund?

          Triumph (links) und Tragik: Ministerpräsident David McAllister muss sein Amt räumen - obwohl er mit der CDU stärkste Kraft in Niedersachsen geworden ist. Stephan Weil zieht an seiner Statt in die Staatskanzlei ein

          Hermann Gröhe, der Generalsekretär, hat für derlei Fragen ein Mantra parat. Erstens sei jede Wahl für sich zu bewerten - eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl, pflegt Angela Merkel zu sagen. Zweitens sei es ohnehin das Ziel seiner Landespartei gewesen, stärkste Kraft im Landtag zu bleiben und mit dem alten Partner die Regierungsarbeit fortsetzen zu können. Mindestens das erste Ziel sei erreicht worden. Und drittens stehe nicht einmal das Ergebnis des Sonntags fest - wie also könne man daraus Lehren für den Bundestagswahlkampf ziehen? Außerdem: Der beginne erst im Sommer, und bis dahin sei noch harte Regierungsarbeit zu leisten.

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