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SPD-Wahlsieger Stephan Weil : Entschlossen nach der Macht gegriffen

Ein Wechsel in die Bundespolitik kam für Weil bislang nicht in Betracht. Bild: dpa

Er wird voraussichtlich weitere fünf Jahre in Hannover als Ministerpräsident regieren. Wer ist der Mann, dem die niedersächsische SPD ihren Wahlsieg in schwierigen Zeiten verdankt?

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          Hannover ist der Ort, an dem sich der Wahlsieger Stephan Weil zu Hause fühlt. Der 63 Jahre alte Jurist stammt zwar aus Hamburg. Aber die Familie zog nach Hannover um, als Weil gerade das Grundschulalter erreicht hatte. Außer für sein Studium in Göttingen hat der Sozial­demokrat die 500.000-Einwohner-Stadt nie für längere Zeit verlassen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Nach einigen Jahren als Staatsanwalt, Richter und Mitarbeiter im Niedersächsischen Justizministerium wechselte Weil 1997 in die Verwaltung der zutiefst sozialdemokratisch geprägten Landeshauptstadt und übernahm dort das Amt des Kämmerers. Im Jahr 2006 beerbte er den legendären Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, der sein Amt 34 Jahre lang innegehabt hatte. Der Sieg in dieser Direktwahl war der erste große Erfolg von ­Stephan Weil. Fünf Jahre später griff er dann, gestützt auf den mächtigen Parteibezirk Hannover, nach der Macht innerhalb der Landes-SPD, verdrängte seinen gegenwär­tigen Umweltminister Olaf Lies von der Parteispitze und gewann 2013 mit knappem Vorsprung die Landtagswahl.

          Nüchtern und sachlich

          Der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes steht für einen nüchternen und sachlichen Politikstil, der sich auch diesmal für die SPD ausgezahlt hat. Zugleich ist er aber auch ein vorzüglicher Wahlkämpfer: zugewandt, griffig in der Formulierung und bei Bedarf auch emotional. Hinzu kommt, dass die niedersächsische SPD die wahrscheinlich kampagnenstärkste Parteigliederung der deutschen Sozialdemokratie ist, wie sich wieder gezeigt hat. Wie schon im Landtagswahlkampf 2017 setzte der Landesverband voll auf den Amtsbonus des Ministerpräsidenten und zeigte in den entscheidenden Wochen der politischen Auseinandersetzung eine teils grenzwertige Härte. Die niedersächsische CDU als wohl gewesener Koalitionspartner mit ihrem Spitzenkandidaten Bernd Althusmann hatte alldem kaum etwas entgegenzusetzen.

          Stephan Weil hatte schon vor dem Wahlsieg seiner SPD angekündigt, dass er zu seinen bisher knapp zehn Jahren als Ministerpräsident noch eine weitere fünfjährige Legislaturperiode hinzufügen möchte, am liebsten wie schon früher mit den Grünen in einer Regierung. Dann würde er sogar Ernst Albrecht (CDU) an Dienstjahren in der Niedersächsischen Staatskanzlei übertreffen. Von seinem Amtssitz aus nimmt Weil über seine Partei oder über den ­Bundesrat auch Einfluss auf die Politik in Berlin.

          Ein Wechsel in die Bundespolitik kam für ihn bislang nicht in Betracht. 2019, im Ringen um den SPD-Bundesvorsitz, gab es zwar Gedankenspiele. Doch Weil, der in seiner Laufbahn mehrfach entschlossen nach der Macht gegriffen hat, entschied sich dagegen. Denn der Politikbetrieb in Berlin behagt ihm nicht. Ganz anders als im heimischen Hannover, wo er alle Akteure kennt und einschätzen kann.

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