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Verdacht des Betrugs : Razzia bei AfD-Landeschef Hampel

  • Aktualisiert am

Armin Paul Hampel während der Mittagspause der ersten Fraktionssitzung der Bundestagsfraktion der AfD im Deutschen Bundestag in Berlin Bild: dpa

In Niedersachsen hat die AfD einen schweren Stand. Der Landesverband gilt als chaotisch. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft auch noch die Wohnung des Landesparteichefs durchsucht – und die Geschäftsstelle in Lüneburg.

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          Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat am Montag die Privatwohnung des niedersächsischen Landesvorsitzenden der AfD, Armin Paul Hampel, im Landkreis Uelzen durchsucht. Die Ermittlungen gegen den Politiker wurden seit April dieses Jahres zunächst wegen Untreue und dann wegen Verdachts des Betrugs geführt. Die Einsatzkräfte seien auch in der Landesgeschäftsstelle der AfD in Lüneburg gewesen, teilte die Behörde mit.

          Der 60 Jahre alte Hampel sei bei der Aktion nicht selbst angetroffen worden. Nähere Angaben zu den Tatvorwürfen und den Durchsuchungsergebnissen wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen. 

          Nach Information der Zeitung „Die Welt“ steht Hampel unter Verdacht, Parteivermögen für private Zwecke abgezweigt zu haben. Der zukünftige Bundestagsabgeordnete wollte sich zu der Durchsuchung und den Vorwürfen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa nicht äußern. Bei der Bundestagswahl zog der ehemalige ARD-Journalist über die Landesliste seiner Partei in den Bundestag ein. Hampel ist Mitglied im AfD-Bundesvorstand.

          Die Enthüllungen der „Welt am Sonntag“ hatten im April die Ermittlungen ausgelöst. Die Zeitung hatte recherchiert, dass Hampel Tausende Euros von seiner Partei erhalten hatte. Die Gründe für die Rechnungen erschienen fragwürdig, Hampel soll sie etwa für TV- und Kameraausrüstung gestellt haben. Auch seine Frau hat der Zeitung zufolge solche Zahlungen erhalten. Eine von Hampel angekündigte „umfangreiche Dokumentation“ der Überweisungen blieb demnach bislang aus.  

          Chaotischer Landesverband

          Der Landesverband der AfD in Niedersachsen gilt als zerstritten und ungeordnet. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Niedersachsen am 15. Oktober wurde die Spitzenkandidatin Dana Guth aus ihrer Kreisfraktion der AfD Göttingen geworfen. Sie war bislang die Kreisvorsitzende. Obwohl sie laut Hampel nicht die „Wunschkandidatin“ gewesen sei, sagte er ihr seine Unterstützung in diesem Streit zu. Sie sei schließlich die gewählte Spitzenkandidatin und es sei „kontraproduktiv“, diese so kurz vor den Wahlen zu beschädigen. Guth hatte angekündigt, gerichtlich gegen den Ausschluss vorzugehen. Im Falle eines Ausschlusses werde sie weiterhin fraktionslose Abgeordnete sein.

          Auch Hampel sorgte bereits wegen einer Anzeige aus den eigenen Reihen für Aufsehen. AfD-Bundesschatzmeister Bodo Suhren hatte ihn wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens angezeigt.

          Die AfD wird bei den Landtagswahlen in Niedersachsen wohl nicht an ihren Erfolg auf Bundesebene anknüpfen können. Laut verschiedenen Umfragen steht die Partei aktuell bei sechs bis sieben Prozent hinter CDU, SPD, Grünen und FDP.

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